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Werner Steffen
Wohlerst 47 · D-21698 Wohlerst
Tel.: 04166/841516 E-Mail: steffen@naturbild.de

Tagesausflug nach Tscherdyn; Feuchtgebiet Poktscha
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Sonnabend, 22. Juli

Bei Regenwetter starten wir, begleitet von Anton und Larisa, den Ausflug – wieder mit Vitjas Uasik - nach Tscherdyn. Bacharew hat ihn auf unseren Wunsch organisiert.

Sterz war bei seinen Recherchen im Internet auf diese Region am Fluss Kolwa gestoßen und fand sie erkundenswert. Die Stadt war im Mittelalter die Hauptstadt des Volkes der Komi, die größte Stadt der Uralregion. Im 14. Jh. christianisiert und im 15. Jh. von Russland erobert, gelangte sie im 18. Jh. Unter der geschäftstüchtigen Aristokratenfamilie der Stroganoffs (auch bekannt wegen des nach ihnen benannten Bœufs), die sich im Bergbau und Salzhandel engagierten, zu beträchtlichem Wohlstand. Noch stehen viele Gebäude aus jener Blütezeit. Wir können uns ehemalige Pracht vorstellen. Aber die Häuserfassaden sind jetzt grau, der Putz blättert ab, die Farben der kunstvoll verzierten Fensterstöcke verbleichen, und die gewaltige Voskresenskij-Kathedrale (Himmelfahrts-K.) aus dem 18. Jh. müsste dringend renoviert werden.

Auf der Landkarte haben wir ein Plätzchen ausgeguckt, das ornithologisch interessant sein könnte: Wir fahren ein paar Kilometer nach Norden und halten am Ortsrand von Poktscha auf einem Hügel mit schönem Ausblick auf die Schlingen und Sandbänke der Kolwa. Während Bri die Überreste der Kirche Blagoveshtschensk (Mariae Verkündigung) fotografiert, bereitet Larisa unser Mittagessen im Uasik.

Der Regen lässt nach; wir starten eine Exkursion in die Flussniederung. Hier, in den Gebüschen am Rand der sumpfigen, zum Teil überschwemmten Brachewiesen müssten wir doch endlich eine Weidenammer finden! Den Wanderfalken und den Baumfalken nehmen wir als Hinweis darauf, dass es hier Vögel geben muss. Gleich am Rand des Hügels sind schon mal Sibirisches Schwarzkehlchen, Braunkehlchen und Schafstelze. In den Büschen hüpft tatsächlich eine Ammer! Leider nur eine Rohrammer!

Da ist es schon lohnender, die nahe gelegene Schlammfläche abzusuchen. Da rennen nämlich Limikolen herum. Merkwürdig, jeweils nur ein Vertreter pro Art hat sich eingefunden: Zwerg- und Temminckstrandläufer, Bruch- und Waldwasserläufer, Bekassine und Großer Brachvogel, Rotschenkel und Odinshühnchen. Dann gesellt sich noch ein kleiner Wasserläufer zu dem bunt zusammen gewürfelten Trupp: gelbe Beine, aufgeworfener Schnabel, ohne Zweifel ein Terekwasserläufer!

Auf dem Rückweg besuchen wir ca. 15 km südlich Tscherdyn ein Moor mir vielen leckeren Beeren. Hier brüten Bruchwasserläufer. Im angrenzenden Kiefernwald, der Boden bedeckt mit Rentierflechten, sehen wir die einzigen Misteldrosseln der ganzen Reise.

In Beresowaja Staritsa muss Vidja kurz halten, dann am Straßenrand stehen Mütterchen mit Kannen und Eimern voller Blaubeeren. Lautstark wird gefeilscht, dann nimmt Larissa ein paar Kilo Blaubeeren in Empfang; das Mütterchen schimpft noch immer, wir hören einen Fluch auf Deutsch heraus. Hatte uns Edwin Grieb nicht in genau diesem Dorf erzählt, dass viele Wolga- und Schwarzmeer-Deutsche hierher verschleppt worden sind?

Am Abend in Bakhari ist natürlich wieder die Banja angesagt, und erneut steigt eine fröhliche Feier mit musikalischen Darbietungen von Anton und Hannes.

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