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Werner Steffen
Wohlerst 47 · D-21698 Wohlerst
Tel.: 04166/841516 E-Mail: steffen@naturbild.de

Gewittersturm am Berg Listvinischij
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Mittwoch, 19. Juli

Die Jugend schläft noch, während Wasja das Lagerfeuer entfacht und Sterz horcht, ob sich nicht doch noch der Waldpieper, die Schwarzkehlbraunelle oder gar eine Erddrossel meldet.

Heute steht eine echte Querfeldeinwanderung auf dem Programm, wieder ist die Tundra unser Ziel, diesmal aber in Richtung des nordwestlich gelegenen Tulim-Gipfels. Solange man sich in der Strauchzone befindet, ist das Vorankommen mühsam und oft fehlt einem der Durchblick. Wasja sichert uns mit dem GPS den Rückweg. In dieser unberührten Wildnis fühlen wir uns wie unerwünschte Eindringlinge. Nur den unzähligen Moskitos sind wir willkommen. Außer denen begegnen uns kaum Lebewesen.

Ein paar Wacholderdrosseln und Bergfinken, ein Dreizehenspecht, eine Auerhenne mit zwei Jungen, ein paar Insekten…

Als Hannes einmal vor sich hin pfeift, wird Wasja sehr ernst: Es könnte ein Bär auf uns losgehen, der das Flöten einem Nebenbuhler zuordnet! Wir sollten lieber etwas Lärm machen, denn auch eine von uns überraschte Bärin, die die Junge führt, wäre äußerst gefährlich. So eingestimmt, hat es uns natürlich sehr beruhigt, als Wasja uns eine Spur zeigt, die durch das hohe Gras führt: Bär? Mensch? Oder Rentier?

Schließlich erreichen wir den Fuß des Berges. Graues Geröll, überzogen von bunten Flechten, grenzt an einen Sumpf mit dichtem Zwergwacholdergebüsch. Steinschmätzer und Sibirische Schwarzkehlchen jagen – hoffentlich erfolgreich – nach Mücken und Bremsen.

Der Listvinitschij ragt als Tafelberg aus der Taiga. Am Rand des Plateaus sind ein paar Felsstöcke stehen geblieben. Die von Tundraflora bedeckte Fläche ist groß genug für zwei Goldregenpfeifer, die aber das Weite suchen. Ein Mornellregenpfeifer schließt sich den Flüchtigen vorübergehend an, kehrt dann aber zurück, ein Männchen, das offenbar Junge behütet. Bri kann sich auf wenige Meter heranrobben und fotografiert, bis der Film alle ist.

Aber leider, leider ist dieser Film und damit die Dokumentation dieses Tages im sich jetzt anbahnenden Wettersturz verloren gegangen.

Bei herrlichem Sonnenschein noch ein gestelltes Foto: Sterz und Wasja - Westorni und Ostorni reichen sich über einer Felsspalte die Hand.

Dann nähert sich von Westen eine graue Front. Donnergrollen. Böig auffrischender Wind. Wir haben alle keinen vernünftigen Wetterschutz mit – sollte man nie vergessen in den Bergen! Wir kauern uns in eine Felsspalte – sollte man auch nie machen bei Gewitter, klärt uns später ein erfahrener Bergführer auf – und schützen uns notdürftig mit einer Rettungsfolie. Um uns herum blitzt und kracht es, heftige Sturmböen peitschen dicke Tropfen an die Felsen und in unseren Unterstand. Bald stehen wir pudelnass in einer Traufe, suchen uns einen neuen Platz unter einem Felsvorsprung. Zu fünft zusammengekauert unter der Rettungsfolie versuchen wir, die Attacken von Sturm und Platzregen zu überstehen. Die Folie zerfetzt es, Sterz’ Mütze holt eine Bö, wir frieren und triefen. Zum Glück kommt gleich nach dem Inferno die Sonne wieder hervor; wir können uns auf den Rückweg durch das dichte, klitschnasse Taigagesträuch machen.

Abends hätten wir noch eine Wanderung zu einem 10km entfernten Moor machen können, um dort den Strichelschwirl zu suchen. Als Wasja anmerkt, dass wir für diese Wanderung besser mit Anglerstiefeln (für die anstehenden Durchquerungen von Bächen und Sümpfen) ausgerüstet sein sollten, bleiben wir doch lieben am Lager, zumal das Wetter nicht stabil erscheint.

Beim Durchstreifen der näheren Umgebung finden wir erneut Auerhuhn und Zwergammern und unter all den aufgeregten Wacholder- und Rotdrosseln ist uns ein kurzer Anblick einer Schwarzkehldrossel vergönnt. In der Nacht tobt ein heftiges Gewitter über dem Zelt.

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