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Werner Steffen
Wohlerst 47 · D-21698 Wohlerst
Tel.: 04166/841516 E-Mail: steffen@naturbild.de

Transfer Solikamsk – Krasnovishersk; Vetlan – Felsen; Banja
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Sonntag, 16. Juli:

Ca. 09.00 Uhr werden wir von Edwin Grieb und seinem Chauffeur Sascha mit einem PKW und einem zusätzlichen Gefährt für Hannes und Moritz und Gepäck - na klar, wieder ein „Uasik“- zum Transfer nach Krasnovishersk abgeholt.

Wir sind sehr gespannt, denn nun steht uns der Teil der Reise bevor, bei dem wir nicht abschätzen können, was auf uns zukommt. Die Planung lief per E-Mail über Edwin Grieb, der für uns die notwendigen Verhandlungen mit Pawel Bacharew führte. Der ist Technischer Direktor des Vishera-Nationalparks und hat es übernommen, unseren weiteren Aufenthalt zu organisieren. Mikhail Krasnov und er kennen sich und arbeiten bei Gruppentouren wohl auch öfter zusammen – das haben wir aber erst in Yugokamsk erfahren. Es deutet sich an, dass aus unseren aus der Ferne geäußerten Wünschen, die Vogelwelt des Ural kennen zu lernen, inzwischen eine mehrtägige Trecking-Tour durch die Wildnis geworden ist – ein Plan, auf den wir uns im Vorfeld nicht wirklich eingestellt haben. Unsere Bedenken hatten wir schon durch Mikhail versucht zu übermitteln und Edwin Grieb sicherte uns zu, dass er unsere Verhandlungen dolmetschen würde, bis eine Lösung gefunden ist.

Flott geht es auf gerader Straße durch endlose Wälder nach Norden. An einer kleinen Lichtung können wir einen Stopp zum Vogelgucken durchsetzen. Auch hier begrüßen uns Grünlaubsänger, auf einer verwilderten Wiese wimmelt es von Braunkehlchen. Auf einem Forstweg können wir ein paar Schritte in den Wald eindringen; dann entdecken uns die Taigamoskitos und erzwingen einen raschen Rückzug.

Eine auf der Landkarte viel versprechend erscheinende Flussniederung verleitet uns zu einem Abstecher in Richtung Cherdyn. Tatsächlich erreichen wir ein interessantes Feuchtgebiet bei dem Dorf Beresowaja Starytza, kurz hinter dem fast verlassenen Ort Gubdor. Ein Fluss und ein Bach meandern hier durch Wiesen, Seggensumpf und Weidengebüsch. Wir entdecken eine Schellente mit halbwüchsigen Jungen und hören ein Tüpfelsumpfhuhn rufen.

Die letzten Kilometer nach Krasnovishersk macht die Kühlung des Uasik ein paar Sperenzchen, aber gegen Mittag kommen wir am Ziel an:

Krasnovishersk ist eine Kleinstadt mit knapp 20.000 Einwohnern. Wir sind jetzt 315 km nördlich von Perm und haben den 60. Breitengrad überrollt.

Am nördlichen Ortsausgang von Krasnovishersk, direkt an der Vishera, liegt das Basislager (Tour-Base) für das „Sapawednik Visherskii“ (Visherski-Nationalpark). Es handelt sich um eine Art Bauhof, wobei auch Boote, Zelte, Schlafsäcke, Isomatten und andere Ausrüstungs-gegenstände für touristische Unternehmungen zur Verfügung stehen. Herr über dieses Schaltzentrum für touristische Unternehmungen in der Vishera-Region ist Pawel Bacharew, ein erfahrener Guide, der z.B. auch Wintertouren mit Schlittenhunden leitet. Er stellt auch die Genehmigungen für den Besuch des Nationalparks aus.

Wir werden von Pawel begrüßt und setzen mit dem Boot zu seinem Gästehaus über - das Örtchen heißt Bakhari. Das Haus verfügt im Obergeschoss über Schlafplätze für mindestens 9 Personen, sicher lassen sich hier auch noch größere Gruppen unterbringen. Unten befinden sich Küche, großer Gemeinschaftsraum und WC. Die russische Banja im Garten werden wir noch heute Abend kennen lernen.

Nach Bezug unseres Quartiers versammeln wir uns zum Essen, das Pawel Bacharew schmunzelnd –„Russian Tradition!“ – mit einer Runde Wodka eröffnet und mit weiteren unterbricht. So eingestimmt setzen wir uns mit Pawel und Herrn Grieb als Dolmetscher zur weiteren Planung unseres Unternehmens zusammen. Wir stellen fest, dass Pawel den Ablauf für die nächste Woche schon sehr detailliert organisiert hat. Wir versuchen noch unsere Vorstellungen anzubringen. Statt der vorgesehenen Trecking-Tour seien uns Exkursionen mit dem Auto entlang ausgebauter Wegstrecken lieber. Denn die Strapazen und Risiken von 4 Tagen Wildniswanderung mit viel Gepäck sind zumindest für unseren „Seniorni“ Sterz eigentlich inakzeptabel... Am Ende obsiegt irgendwie dann doch Pawels Plan. Die Jugend ist begeistert!

Nach der Entscheidung verabschieden wir Edwin und Sascha und starten in Begleitung von Pawels Sohn Anton eine Bootstour zu den Vetlan-Felsen am Ufer der Vishera. Mit Blick auf die ab morgen anstehenden Strapazen für sein lädiertes Knie hat Sterz wenig Lust, die 703 Treppenstufen zum Aussichtspunkt aufzusteigen. Außerdem bestätigt sich bei der Abfahrt sein Verdacht, dass die Bäume und Büsche am Ufer ornithologisch wesentlich mehr her machen: hier orten wir unseren ersten Wanderlaubsänger.

Zurück in Bakhari haben wir Zeit zum Packen für morgen: unser Gepäck wird auf das wildnistaugliche Minimum reduziert. Vom Garten aus hören wir uns einen Wachtelkönig an.

Hinterher wartet ein Erlebnis auf uns: eine original-russische Banja! Männer und Frauen gehen getrennt, geleitet wird der Event vom Hausherren bzw. der Hausherrin. Im Unterschied zur schwedischen Sauna wird bei der Banja mit vielen feuchten Aufgüssen gearbeitet – und außerdem mit Bündeln von Beresniki (Birkenzweigen). Diese hält man sich bei Bedarf vor die Nase, um sich vor der akuten Aufguss-Hitze zu schützen, besprenkelt die Steine oder sich selbst, wedelt, und geißelt sich oder andere von oben bis unten. Vor zu großer Hitze am Kopf schützt ein Filzhut. Zum Abkühlen geht es direkt in den Fluss. Nach 2-3 Banja-Gängen und abschließender Waschung fühlen wir uns sauberer als nach jeder Dusche, unsere Haut ist flauschig weich und wir sind richtig aufgekratzt. Der traditionelle Gruß nach der Banja lautet „ss' ljochkom param“ (auf den leichten Nebel) – auf diesen stoßen wir dann zum Abendessen auch gern an. Danach, in großer Runde (mit Pawel und Frau Ludmila, Anton und seiner Freundin Larisa) greift Hannes zur Gitarre, und mit jedem Trinkspruch wird unser russisch-englisches Kauderwelsch und das unserer Gastgeber besser.

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