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Werner Steffen
Wohlerst 47 · D-21698 Wohlerst
Tel.: 04166/841516 E-Mail: steffen@naturbild.de

Ankunft in Perm - Yugokamsk
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Mittwoch, 12. Juli 2006

Abflug Moskau 0.40 Uhr,
Flugdauer nach Perm 2,5 Std. + 2 Std. Zeitverschiebung.

Wir besteigen eine Tupolew älteren Semesters, es nebelt aus der Klimaanlage, die hinteren Sitzreihen sind wegen des Klogeruchs nicht zu empfehlen. Es wird eine kurze, ungemütliche Nacht, in der man kurzzeitig in einen Erschöpfungsschlaf sinkt. Um 5.10 Uhr, abermals 2 Std. Zeitverschiebung, kommen wir ziemlich gerädert in Perm an. Der Flughafen wirkt ziemlich provinziell - und das, obwohl Perm flächenmäßig Russlands zweitgrößte Stadt ist, Durchmesser ca. 70 km.

Mikhail Krasnov und Sohn Mikhail Mikhailowitsch empfangen uns. Ab sofort managen sie alle Formalitäten und Notwendigkeiten für uns. Es geht damit los, dass bei Moritz die Boarding Card nicht vorschriftsmäßig abgetrennt war, also ein Beleg fehlte und er bei der Ankunft diesbezüglich ausgerufen wurde – Mikhail regelt das. Die Registrierung übernimmt Mikhails Sohn und nimmt zu diesem Zweck unsere Pässe und Registrierungsformulare mit. Es stellt sich heraus, dass es nicht möglich ist, uns in der Datscha von Mikhail Krasnov registrieren zu lassen, „weil das keine Adresse ist“, also wohnen wir offiziell in der Stadtwohnung von Mikhail.

Nun geht es nach Yugokamsk – zu der erwähnten Datscha,
die unsere Basis für die ersten Tage ist.

Zu unserer Begeisterung dürfen wir in einen Original-„UASik“ klettern, einen Off-Road-Minibus, Baujahr 1961. Der UAS (die deutsche Bezeichnung des Autos lautet "Ural") ist das Allround-Fahrzeug der Region, manche sagen:
„It is not a car – it’s a tank!“.
Mikhail fährt mit Höchstgeschwindigkeit, 90 km/h auf der Asphaltstraße von Perm nach Südwesten.

Es wird allmählich hell, rechts und links Wiesen und Felder mit den ersten Vögeln: Schwarzmilan, Kiebitze, Kolkraben und andere Rabenvögel.

In Yugokamsk, einem größeren Dorf, kaufen wir Verpflegung ein – wiederum engagiert unterstützt von Mikhail, der dafür sorgt, dass wir das frische Bier bekommen. Die Preise in dem 24-Stunden-Laden (die gibt es überall) sind erfreulich günstig.

Bevor in der Ferienhaussiedlung - offiziell: Tour base of Sverdlova plant,Yugokamsky district, Permsky krai - das menschliche Leben erwacht, kommen wir an.

In der parkartigen Anlage begrüßen uns gleich mehrere Grünlaubsänger mit lautem Gesang. Wir beziehen Mikhails Datscha: es ist tatsächlich seine Privat-Datscha, die er für unseren Aufenthalt räumt.

Die sanitäre Situation ist mehr als rustikal - wir bevorzugen dann doch möglichst die freie Natur - sonst sind wir einfach, zu viert etwas eng, aber sehr charmant untergebracht. Die Hütte liegt malerisch am Ufer eines mehrere 100m breiten Stroms. Der Kama-Fluss ist nicht sehr sauber, man kann baden gehen, doch die Einheimischen spülen sich hinterher mit frischem Wasser ab (Schadstoffe?). Der erste Vogel-Check bringt eine Überraschung: Im Gestrüpp am Pfad zum Ufer füttert ein Buschrohrsänger-Pärchen die Jungen. Eine neue Art für alle!

Eigentlich wollen wir uns erstmal von den Strapazen der Reise erholen. Schließlich ist die Nacht für uns ausgefallen. Aber unzählige Mücken und Bremsen nerven - auch Rinderbremsen sind am Start! Schlafen ist schwierig wegen der zunehmenden Hitze. Hannes versucht es dennoch.

Die anderen erkunden das Gelände der Ferienhaussiedlung. Sie liegt an einem urigen Mischwald, in dem alle 10m ein Grünlaubsänger singt. Wir hören Weißrückenspecht, Grauspecht und Pirol - alle 3 ziemlich am Rande ihres Verbreitungsgebietes. Die Kleiber sind klein, mit heller Unterseite (Unterart S.e.asiatica) und alle Gimpel „trompeten“! (Jetzt können wir uns in die Diskussion über die Herkunft der viel beachteten „Trompetergimpel“ einmischen.)

Nachmittags starten Moritz und Sterz eine erste Bootstour mit Mikhail, fangen einen Hecht und können mit weiteren Vogelbeobachtungen aufwarten: u.a. Seeadler, Zwergmöwen, leider keine Weidenammer, aber einem Hopfkuckuck, der tatsächlich wie ein Wiedehopf ruft, aus den Wipfeln eines unzugänglichen Waldes, als das Boot einmal am Ufer anlegt.

Mikhail kocht uns eine hervorragende Hechtsuppe mit Kartoffeln, Zwiebeln, Lauch, Dill - und präsentiert sie natürlich mit Wodka („Gradus“ – diese Marke merken wir uns!).

Eine Gitarre wartet auf Hannes, und so lassen wir den Abend am Grillplatz mit „Jonny be good“, „Mein Gott Walter“ und natürlich unserem "Mariachi" (Titelsong des Films Desperado) ausklingen.

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