Startseite
  Portfolios
  Ohrengeier
  Reiher
  Waldrapp
 
  Reiseberichte
  Ägypten 2007
  Ural 2006
  Türkei 2003
  Marokko 2001
 
  Kontakt/Service
  Kontaktformular
  Impressum
Werner Steffen
Wohlerst 47 · D-21698 Wohlerst
Tel.: 04166/841516 E-Mail: steffen@naturbild.de

Fatsa - Yesilirmak-Schwemmland – Samsun – Kizilirmak-Delta(Ost)- Yakakent (307km)
zurück home weiter
Mittwoch, 4.6.2003

Am Morgen ist ein Abstecher ins Yesilirmak-Delta vorgesehen. Der ‚grüne‘ Fluss hat ein ausgedehntes Schwemmland geschaffen, weitgehend Agrarland, die Sümpfe werden entwässert. Das Gebiet reizt uns, weil hier selten ein Orni vorbeischaut. Wir wollen herausfinden, ob es hier gute Beobachtungsgebiete gibt und wie man dorthin kommt. In Terme, an der Hauptstraße fragen wir nach dem Weg zum „Gölü“. Ein Knabe – er denkt wir wollen angeln – schickt uns in die richtige Richtung. Wir finden zu einem verschilften Tümpel mit 3 Rohrschwirlen. Im nahen lockeren Gebüsch drängen sich Neuntöter, Schwarzstirnwürger und viele Sperbergrasmücken. 5 Rotfußfalken jagen gemeinsam, im Gegensatz zum Mäusebussard, den wir der Unterart menetriesi zuordnen.
Position der Zufahrt: 41,2429464N; 37,011667E – -3m.

Am Meer erwarten uns dicke Überraschungen: Prachttaucher und Samtente. Sind beide nordische Durchzügler, oder stammt der Samterpel aus dem Kaukasus? 2 Hauben- und 1 Schwarzhalstaucher fühlen sich auf dem Meer anscheinend auch noch wohler als im Brutgebiet.
Position Ost-Strand Yesilirmak-Schwemmland: 41,2588011N; 37,0211885E – 9m.

In Ondokuzmayis (der kuriose Ort heißt also nach dem Geburtstag von Atatürk „Neunzehntermai“) verlassen wir die Hauptstraße, halten uns an den Wegweiser Yürükler und kommen zu Sumpfgebieten, umgeben von Weideland. Die Sümpfe gehören zum großen Balik Gölü („Fisch“-See), der trägt seinen Namen wohl zu recht, denn Reiher und Störche, auch schwarze, sind verbreitet. Auch fünf Entenarten sind vertreten. Die Attraktion aber ist ein großer weißer Schwimmvogel, schwierig zu bestimmen, weil weit, weit entfernt am anderen Ufer. Kein Zweifel, ein Pelikan; aber ist es der Krauskopf, der Jan und Hermann noch fehlt? Zwei weitere Pelikane kommen uns wie gerufen. Sie landen auf dem See. Im Flug sind sie leicht zu bestimmen: leider Rosapelikane! Hoch über dem Schwemmland kreisen noch zwei, und das sind nun Krauskopfpelikane!
Beobachtungsposition Uzun bzw. Balik Gölü: 41,59509N; 36,1018967E - -5m.

Wir versuchen, das Sumpfgebiet im Norden zu umrunden, um näher an den See zu gelangen. Da halten uns zwei Schwarzstörche auf, die ganz in der Nähe fischen und fotografiert werden wollen. Das Shooting wird durch zwei Ranger vom Schutzgebiet mit einem dicken Pajero, an den sie ein Boot gehängt haben, beendet. Sie sagen, wir könnten (oder sollten?) nicht weiterfahren. Dann zeigen sie uns, wie lässig ein hochbeiniges Allrad-Gefährt so einen Sumpf durchquert und verschwinden Richtung Pelikan-Ufer.

Zum Nordstrand müssen wir nur durch ein paar Dünen stiefeln. Klar, dass wir das Meer absuchen! Acht Haubentaucher, wieder ein Prachttaucher, zwei Levantesturmtaucher weit draußen und dann, vor der Küste vorbeifliegend, eine Schmarotzerraubmöwe.
Position: Wegen „Höherer Gewalt“ nicht erfaßt..

Alle Ferngläser, Spektive und Teleobjektive sind verständlicherweise im Einsatz, als sich in unseren Rücken ein vollbesetzter PKW nähert. Ein Offizier der Jandarma, eskortiert von zwei Bewaffneten und dem uniformierte Fahrer, stellt sowohl uns als auch die üblichen Fragen. Die bewährten Erläuterungen unseres Tuns überzeugen den Offizier nicht. Mit einem höflichen aber bestimmten „Come, please!“ komplimentiert er Jan in das Polizeiauto. Wir sollen im Doblo folgen, mit einem Gewehrträger als Co-Pilot. Zum Glück hält der das GPS-Gerät auf dem Armaturenbrett wohl für ein Handy. Die Jandarma wirbelt mächtig Staub auf, allein, ich muss mit dem Fiat dranbleiben. Hermann und Werner sind verstummt. Es geht zurück nach Ondokuzmayis auf den Hof der Polizeikaserne. Mit verstärkter Eskorte gelangen wir ins Innere, wo wir rund um einen Schreibtisch platziert werden. Das Verhör beginnt mit der Frage, ob wir einen Çay wollen. Wir wollen, und ich erläutere ein ums andere Mal vergebens den Zweck unseres Aufenthaltes im Schwemmland und an der Küste. Die Lage wird ein wenig übersichtlicher, als ein junger Rekrut mit Englischkenntnissen eintrifft. Während uns die zweite Runde Çay gereicht wird, eröffnet uns der Dolmetscher, wir hätten verbotenes Gebiet betreten, fotografiert und “research” betrieben. Wir kontern, dass nirgends Verbotsschilder aufgestellt seien, dass wir nur Vögel und Blumen fotografiert und keinerlei “research” im Sinn hätten. Uns kommt die Idee, Hermanns Digitalkamera mit den gespeicherten Aufnahmen als Beweismittel einzusetzen. Die Gegenseite geht darauf ein. Ein Experte nimmt Kamera und Besitzer mit in einen anderen Raum, wo Hermann ihn mit Serien harmloser Fotos eindeckt. Entspannt kommen die beiden wieder, der Dolmetscher räumt ein, es seien wohl doch keine Verbotsschilder in dem Gebiet, das ganze sei überhaupt ein Versehen. Wir seien freie Menschen und können gehen oder fahren wohin wir immer wollen, auch dorthin, wo man uns abgeholt hatte. Nur “research” sei uns nicht erlaubt. Inzwischen hat man auch den Kommandanten der Polizeistation aus dem Mittagsschlaf geholt. Er kommt eben noch rechtzeitig, um uns seine höchstoffizielle Entschuldigung mit auf den Weg zu geben. Unter großem Hallo bereitet uns die ganze Belegschaft des Polizeipostens einen überaus herzlichen Abschied. Wir aber rätseln, wer uns wohl die Jandarma auf den Hals gehetzt hat.

Wir haben für heute genug vom Schwemmland, fahren von Bafra nach Süden an einen Stausee; dort ist aber nichts los, und wir suchen uns ein Strandhotel in Yakakent.

Startseite Reisebericht Türkei 2003 Reiseberichte