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Werner Steffen
Wohlerst 47 · D-21698 Wohlerst
Tel.: 04166/841516 E-Mail: steffen@naturbild.de

Erzurum – Gelinkaya – Ispir - Sivri Kaya (215km)
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Montag, 2.Juni.2003

Gelinkaya ist mit seinen Gärten, den Auwaldresten und Gebüschen an Flüsschen geradezu eine Oase. Kein Wunder, dass sich hier schon mancher Vogelgucker umgeschaut hat. Wir wissen also, was es hier zu sehen gibt und, wie zu erwarten, begrüßen uns gleich Karmingimpel und Bergzilpzalpe mit ihrem Gesang. Beide sind geradezu häufig. Für den Halbringschnäpper brauchen wir etwas länger. Wir finden ihn ca.500m flussaufwärts, wo etwas ältere Bäume stehen, die bessere Sitzwarten bieten. Ein paar Schritte weiter oberhalb beginnt eine Wiese mit einzelnen Gebüschen. Ideal für das Blaukehlchen. Es hat weder einen weißen, noch einen roten Stern und ist ein wenig größer, was der Name L.s.magna andeutet. Beutelmeisen turnen herum, und der Wendehals ist gut für unsere Liste. Zwei Steinadler und drei Schmutzgeier nutzen das herrliche Wetter zu einer Segelpartie, während sich Felseidechsen ein Sonnenbad gönnen (sie werden später von Experten als Darevskia parvula parvula bestimmt, die nur hier auf der Südseite des Pontischen Gebirges vorkommen).

Ein Stückchen vom Ort entfernt gönnen wir uns ein Frühstück im Ufergebüsch, genießen den Kaffee und das Konzert der Karmingimpel, Bergzilpzalpe und Sumpfrohrsänger. Wir hören den ersten türkischen Grünspecht, sehen Baum- und Rötelfalken aber keinen Kurzfangsperber. Das Habitat müsste ihm doch zusagen!
Pos. Halbringschnäpper: 40,0179547N; 40,9114485E – 1743m; Rastplatz: 40,0445895N; 40.9227273E – 1771m.

Gesäumt von einer wahren Blütenpracht windet sich die Straße über ein Vorgebirge. Bei Ispir geht’s noch mal hinunter ins Tal des Coruh und von dort hinauf zum Ovitdagi-Pass (2760m). Hier oben ist es ungemütlich: kalter Wind und Schneeregen. So vertagen wir unseren Besuch. Schon am frühen Nachmittag stehen wir vor dem Hotel Genesis, dessen Eingangstür die bekannten Veranstalter von Naturreisen in die Osttürkei mit ihren Labels komplett zugeklebt haben. Die Luxusherberge hat hier im Twitcher-Mekka das Monopol.

In der Morgendämmerung soll es also hinaufgehen in die Berghänge oberhalb von Sivrikaya zu jenem seltenen Hühnervogel, der das unscheinbare Dorf unter Europas Ornis berühmt gemacht hat. Um uns im Morgengrauen nicht zu verirren, wollen wir sicherheitshalber den Weg zu den Beobachtungsplätzen noch bei Tageslicht zu erkunden. Wir erkennen ihn schnell an der oft erwähnten Kette, die aber heute entspannt an der Seite hängt. So darf der Doblo mal einen Saumpfad ausprobieren. Ein Dezimeter mehr Bodenfreiheit und das Doppelte an PS hätte die Sache einfacher gemacht.

Hoch oben in den Hängen erkennen wir dunkle Zonen. Das müssen die Rhododendren sein, in denen sich die Hühnervögel aufhalten sollen. Ausdauernd und angestrengt suchen wir die Ränder der fernen kniehohen Gebüsche ab. Hermann erlöst uns mit dem Ausruf „ I hob eam!“. Wenn er in astreinen Mühlviertler Dialekt verfällt, bedeutet das immer Gutes, in diesem Fall: „Ik hev em!“ (Für alle, die das Mühlviertlerische noch nicht perfekt beherrschen.) Hermann hat als plietscher Jäger wieder einmal ganz woanders geschaut als wir. Der Kaukasusbirkhahn sticht als winziger pechschwarzer Fleck aus dem satten Grün einer ausgedehnten Bergweide unterhalb des Bergrückens heraus. Im Swarovski können wir die überlangen Schwanzfedern und sogar die roten Augenbrauen erkennen. Nun, da wir wissen, wo wir suchen müssen, finden wir weitere Hähne, zwei sogar jenseits des Flusstals. Alle rühren sich kaum vom Fleck. Suchen sie auf den Bergmatten Nahrung, oder behaupten sie hier ihren persönlichen Balzplatz?
Beobachtungsplatz Kaukasusbirkhahn: 40,669628N; 40,7106767E – 1932m

Wir jubeln. Eine der seltensten Arten der Westpalaearktis ist gefunden. Hermann erhält für seine Entdeckung feierlich den norddeutschen Ehrentitel „ Hermann, der Hühnerschrecker“ zugesprochen. Er akzeptiert die Auszeichnung mit gemischten Gefühlen. Erst am Abend, beim zweiten, dritten „Serefe!“ auf Hermanns und der Kaukasusbirkhühner Wohl verflüssigen sich seine Bedenken. Ein hoch%iges Nationalgetränk mit vier Buchstaben hilft dabei.

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