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Werner Steffen
Wohlerst 47 · D-21698 Wohlerst
Tel.: 04166/841516 E-Mail: steffen@naturbild.de

Bulanik – Haçli Gölü – Malazgirt - Patnos – Sodali Gölü – Ercis – Bendimahi-Mündung – Van (375km)
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Mittwoch 28.Mai.2003

Wir nehmen die muffige Notunterkunft nicht lange in Anspruch und starten im Morgengrauen. Nur vor Sonnenaufgang haben wir eine Chance auf den Kranich! Der Schmutzgeier auf dem Telegraphenmast am Straßenrand schläft noch. Am Horizont fliegen zwei große Vögel. Das könnten Kraniche sein! Sie sind zu weit entfernt, und es ist noch zu dunkel. Wir finden eine Zufahrt zum Flussbett des Murat. Auf den Feuchtwiesen und Tümpeln erwacht das Vogelleben. Aber für Brachpieper, Stummellerche, Seeschwalben & Co. haben wir jetzt noch keine Zeit. Auf dem einzigen Hügel, einem Schotterhaufen, bringen wir die Spektive in Stellung und scannen die ganze weite Ebene ab. Dabei gerät eine Handvoll Großtrappen ins Blickfeld.

Die Sonne geht auf, und das Licht wird besser. Hermanns Spektiv ist schon verdächtig lange auf ein Gestrüpp gerichtet. „ Do iiss-a !“ sagt er trocken mit triumphierendem Unterton. Zum ersten Mal verstehen auch die beiden Norddeutschen den Mühlviertler Dialekt auf Anhieb. Wir drei reißen uns um einen Blick durch das Swarovski. Da ragt doch tatsächlich ein schwarzer Hals aus der dichten Vegetation! Die weißen Schmuckfedern am Kopf leuchten. Der Jungfernkranich verharrt an seinem Platz, wohl 800m von uns entfernt. Um ihn nicht zu beunruhigen, bleiben wir, wo wir sind und schauen ihn wieder und wieder an. Unverhofft taucht ein zweiter Hals auf. Eine Zeitlang sind beide Vögel zu sehen, dann verschwindet der erste. Wir sind offenbar Zeugen einer Brutablösung. Der seiner Aufgabe entbundene Partner schreitet aus dem Gestrüpp heraus und fliegt weit, weit davon. Es ist Punkt sechs Uhr. Gut, dass wir so früh gestartet sind! Wären wir jetzt erst am Ort des Geschehens eingetroffen, wir hätten keinen Kranich gefunden. Der geneigte Leser wird verstehen, dass wir an dieser Stelle die Ortsangaben bewusst vage halten.

Bleibt nachzutragen, was die Sumpfgebiete in der Umgebung von Bulanik außer den genannten Arten sonst noch zu bieten hatten: Nachtreiher (3), Seidenreiher (~10), Purpurreiher (1), Löffler (5), Austernfischer (~15), Lachseeschwalbe (einzelne), Flussseeschwalbe (15 –20), Uferschwalbe 2-3000, Rohrschwirl 1. Haçli-Gölü (20 km südlich Bulanik): Zwergseeschwalbe (1 Brutpaar), Weißbart-Seeschwalbe (5 P.), viele Stummellerchen, 2 Steinsperlinge in Bienenfresserkolonie nistend.

Zurück zum Van-See fahren wir diesmal auf richtigen Straßen über Malazgirt und Patnos und von dort am gewaltigen Vulkankegel des Viertausenders Süphan Dagi vorbei. Unser Etappenziel Sodali Gölü erweist sich als lohnend. Hier ein Auszug aus der Beobachtungsliste: Schwarzhalstaucher 1, Rostgans ~50, Brandgans 6, Löffelente 100+, Tafelente ~50, Weißkopf-Ruderente ~20, Blässhuhn ~760, Säbelschnäbler 6, Seeregenpfeifer 1, Kampfläufer ~20, Waldwasserläufer 1, Bruchwasserläufer 1, Steinwälzer 4, Dünnschnabelmöwe ~30, Kurzzehenlerche 2, Grauschnäpper
Position Sodali Gölü, Südufer: 38,79256N; 43,0075031E - 1658m.

Der Rest des Tages vergeht mit der Umrundung der ganzen Osthälfte des Van-Sees. Unterwegs sehen wir 1 Felsensteinschmätzer, zwei Trupps Rosenstare und an der Bendimahi-Mündung weitere 8 Weißkopf-Ruderenten.

Hermann sitzt kaum am Steuer, da kommt ein Checkpoint. Der Uniformierte mustert aufmerksam alle Pässe und die dazu passenden Gesichter. Bei Hermann stutzt er. „ Österreicher ??? Das ist doch ein Bulgare!“ meint er streng. Wir grinsen. Ja, Hermann sind vor kurzem die Rasierklingen ausgegangen. Der Kontroletti hat Hermanns Sonnenbrille entdeckt. Er will sie haben und bietet dafür seine. Darauf lässt Hermann sich nicht ein. Aber in Van hat er es eilig, einen Rasierapparat samt Klingen zu kaufen. Wir können nur ahnen, wie hart es einen Österreicher trifft, wenn er für einen Bewohner des Balkans gehalten wird.

In Van buchen wir für zwei Nächte das feine Hotel Van Gran.

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