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Werner Steffen
Wohlerst 47 · D-21698 Wohlerst
Tel.: 04166/841516 E-Mail: steffen@naturbild.de

Tatvan – Nemrut – Van-See/Ahlat – Nazik Göl - Bulanik (155km)
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Dienstag, 27.5.2003

Am westlichen Ortsrand von Tatvan zweigt eine schmale Straße nach Norden ab. Sie führt hinauf bis auf 2500m zum Kraterrand des Nemrut Dag. Die Zufahrt zum Krater finden wir versperrt. Eine große Nomadensippe hat ihr ganzes Hab und Gut mit Lastwagen heraufschaffen lassen. Es dauert lange, bis Stangen und Planen, Kochtöpfe, Teppiche und was man sonst noch für ein Sommerlager im Nemrut-Krater braucht, so weit beiseite geräumt ist, dass wir vorbei können. Nach wenigen Metern die nächste Hürde: eine gewaltige Schneewächte, durch die die Nomaden eine Schlucht gegraben haben, zwei Meter breit und mehrere Meter hoch und 20 bis 30 Meter lang. Leichtsinnig durchfahren wir die Schlucht, ohne uns zu vergewissern, wie und ob es dahinter weitergeht, und bald stehen wir vor neuen unüberwindlichen Schneewehen. Die Straße ist teilweise unterspült und weggebrochen.

Die Nomadengruppe ist zu Fuß unterwegs. Die Esel sind schwer bepackt, aber auch die Frauen wanken unter schweren Lasten auf Plastiksandalen den kilometerlangen Weg hinunter zum Kratersee. Der Chef trägt nichts, außer seiner Kalaschnikow. Die Männer tragen einen Wanderstock und die Verantwortung für einen Packesel. Die, die sich unten ihrer Last entledigt haben, kommen schon zurück, um sich erneut zu beladen.

Im Sommer, falls die Straße wiederhergestellt wird, kann man prima runter an den Kratersee fahren. Wir aber parken das Auto so auf dem Kraterrand, dass es weithin sichtbar ist, um es möglichst lange im Blick zu haben, während wir in den Krater hinabsteigen. Auf einem Schneefeld hinuntersurfend sind Hermann und Jan schnell unten. In einem zerklüfteten Lavafeld haben sich Bäumchen angesiedelt, noch immer unbelaubt, doch um sie herum blüht es üppig: eine unbekannte und höchst seltsame Flora in einer unwirklichen Landschaft; da wird fleißig fotografiert!

Vor uns fliegt ein Ziegenmelker auf. Chukarhuhn und Wachtel – anscheinend ein Durchzügler - rufen. Ringamseln und Felsenschwalben sind auch da. Wir mustern die vielen Ortolane. Zu gern hätten wir einen Steinortolan unter ihnen gefunden; er kommt hier vor, aber vielleicht ist es ihm noch zu kalt. Feld- und Heidelerchen erinnern an die heimische Fauna. Werner fotografiert eine seltene Felseidechsenart und sieht zwei Rotstirngirlitze, die aber schnell hinter Lavabrocken verschwunden sind. Die „Sibirischen“ Schwarzkehlchen gehören zur Unterart armenicus. Auf dem Kratersee, an dessen Rändern noch Schneehaufen liegen, sind keine Samtenten zu finden, aber 30 Armeniermöwen.

Nach zwei, drei Stunden Fußmarsch sind wir wieder am Doblo. Der Rückweg durch die Schneeschlucht gelingt erst nach einem zweiten und kräftigeren Anlauf, denn der Untergrund ist inzwischen weich und schmierig. Wir schauen von ganz oben auf den stattliche 3700 km 2 bedeckenden Van-See, der bis zum Horizont reicht, eingerahmt von gewaltigen Bergen. Auch hier oben ist der Steinrötel häufig, und noch in über 2200 m Seehöhe begegnen uns Weißkehlsänger und Türkenammern.
Positionen Kraterrand (oben): 38,5979806N; 42,2772631E –2504m ,
Kraterboden : 38,609525N; 42,239332E – 2289m

Am Westufer des Van-Sees entlang fahren wir nach Ahlat. Strand, Lagunen und kleine Feuchtgebiete – wir haben den Eindruck an einer Meeresküste zu sein, obwohl wir 1700m Seehöhe messen. Unter anderem sehen wir Rostgans (35), Kiebitz (2), Armeniermöwe (150), Heringsmöwe ( L.f.fuscus 1), Raubseeschwalbe (1)und Dunkelrohrsänger (=Teichrohrsänger Acrocephalus (scirpaceus) fuscus).

In Ahlat bei einem netten Essen in einem Strandhotel ärgern wir uns: Jan hatte im Vorbeifahren einen „komischen Kiebitz“ gesehen, der gleich hinter dem Strandwall verschwunden war, Rücken und Flügel wie beim Spornkiebitz gezeichnet. Das hätte doch auch ein Weißschwanz- oder ein Steppenkiebitz sein können und wäre einer Nachsuche wert gewesen!

Nach Bulanik wollen wir uns auf Nebenstraßen durchschlagen, um nicht gewaltige Umwege fahren zu müssen. Bis Ovakisla kein Problem, dann sticht uns der Hafer. Wir zweigen von der Nebenstraße zum Nazik-Gölu ab, einem wenig besuchten Steppensee. Auf ihm und um ihn herum finden wir 52 Rostgänse, 1 Wachtel, 6 Kiebitze und 5 Rotschenkel, ca. 200 Armeniermöwen, 2 Bergkalanderlerchen, Brachpieper und Sibirisches Schwarzkehlchen.

Die große Überraschung aber ist die Entdeckung eines weiteren Blauwangenspint-Vorkommens. Es ist nur ein Brutpaar zu sehen, deshalb halten wir auch hier mit der genauen Ortsangabe hinterm Berg.

Von Nazik nach Bulanik ist auf unserer 1:500.000-Karte eine gelbe, also befestigte und ganzjährig befahrbare Straße eingezeichnet. Dass der Doblo und Werners lädierter Rücken die Strecke überhaupt überstanden haben, verdanken wir Jan, der sich für die schlimmsten 10 Kilometer eineinhalb Stunden Zeit nimmt. Im Schrittempo kann er wenigstens einen Teil der tiefen Löcher vermeiden und einige der vielen aus der Piste herausragenden Steinblöcke umfahren. Wir können diese Route nur Ornis mit Traktor weiterempfehlen. Mit normalem PKW sollte man es lieber von Ovakisla über Otluyazi und Kirkgöze versuchen.

Wir kommen spät in Bulanik an, versuchen zuerst im Lehrerwohnheim unterzukommen. Nach langer Wartezeit stellt sich heraus, es sind keine Betten mehr frei. Hilfsbereite Einwohner führen uns zur letzten noch verfügbaren Unterkunft, das primitive “Hotel“ Ügür. Egal! Hauptsache, wir können in der Nähe des möglichen Jungfernkranichs übernachten.

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