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Werner Steffen
Wohlerst 47 · D-21698 Wohlerst
Tel.: 04166/841516 E-Mail: steffen@naturbild.de

Nemrut Dag – Siverik (Steppensee)– Hasuni-Höhlen -Diyabakir – Bitlis – Tatvan (437km)
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Montag, 26.Mai.2003

Die einheimischen Touristen sind ausnahmsweise schon vor uns auf den Rädern. Sie wollen bei Sonnenaufgang bei den Götterfiguren sein, weil diese dann in besonderem Licht erscheinen. Der Doblo quält sich über das marode Pflaster steil hinauf bis zum Touristenzentrum in über 2000m. Ein Härtetest für Reifen, Stoßdämpfer und unsere Knochen. Die Morgendämmerungstouristen haben die Gipfelregion schon freigegeben, und nach 150 Metern Anstieg stehen wir vor den weltberühmten Köpfen.

Das von den Zähnen der letzten 2000 Jahre etwas angenagte Götterquartett, bestehend aus Zeus, Apollo, Herakles und Staatsgöttin Commagene, ist um die Skulptur des historisch unbedeutenden Kleinkönigs Antiochos zum Qintett erweitert. Dieser Seleukide wollte offenbar hoch hinaus. Er ließ auf dem Berggipfel einen heute noch 70m hohen Grabhügel aufschütten. Die Kolosse, flankiert von Adler und Löwe, sollten Wache stehen. Heute liegen sie Wache, nach Osten wie nach Westen und ziehen Touristen an. Ob das wohl im Sinne des Erfinders ist?

Uns sind die Götter gnädig: Auf antiken Trümmern sitzt der ersehnte Rostbürzel-Steinschmätzer. Werner läßt sich von einem zutraulichen Steinrötel ablenken und schießt wunderschöne Bilder. Wir finden noch vier ‚Rostbürzel‘ und weitere Steinrötel, schauen uns die Ohrenlerchen und Schneefinken an und wundern uns über einen Ortolan, der hier, in 2100m Höhe, mitten in einem Schneefeld thront. Die Sicht ist phantastisch. Das Morgenlicht verleiht der Bergwelt im Westen scharfe Konturen und im Osten leuchtet in der Ferne der Atatürk-Stausee. Zwei weit entfernt kreisende Greife halten wir für Steinadler. Dann rumpeln wir im Schrittempo auf 1700m hinunter. In einem felsigen Hang rennen Chukarhühner und ein Pärchen Rotkopfwürger freut sich des Frühlings. Sobald das Gebüsch etwas üppiger wird, sind die Weißkehlsänger da, auch 6 Türkenammern, 1 Fahl- und 5 Steinsperlinge lassen sich blicken, es gibt viele Klippenkleiber.

Bis zu diesem Vormittag galt ich als umsichtiger, auf die Tücken anatolischer Straßen gefaßter Chauffeur. Als ich bei Tempo 90 nun doch einmal ein bösartiges Schlagloch voll erwische, lästert die Crew natürlich, Jan vorneweg. Beim Halt am Fähranleger zeigt der linke Vorderreifen Wirkung. Er ist platt. Die Felge hat eine Delle. Die hatte sie von Anfang an, verteidige ich mich, und den Reifen mussten wir auch schon viermal aufpumpen! Es hilft nichts, grinsend beharrt Jan darauf, ich hätte das Auto ruiniert. Während die Fähre den Stausee überquert, wechseln Jan und Hermann brav den Reifen. An der nächsten Tankstelle in Siverik suchen wir die Bretterbude mit der krakeligen Aufschrift „Lastik“(Reifen) auf. Im Handumdrehn werden für 2 Euro die Felge zurechtgekloppt und zwei Nägel entfernt.

Der Tankstellenchef hat derweil Çay und eine Story aufgetischt: Sein Onkel habe in der Umgebung einen 15 Kilo schweren Vogel geschossen, einen „toy“. Wenn er nicht die letzte erwischt hat, gibt es hier also Großtrappen! Zu dieser Tageszeit Großtrappen zu finden ist aussichtslos, dennoch fahren wir ein wenig in der weiten Ebene östlich von Siverik herum. An einem flachen See sitzen 3 Seidenreiher, 7 Stelzenläufer und 2 Raubseeschwalben.
Ebene Siverik mit Steppensee: 37,77784N; 39,63263E –1116m.

Wir passieren die kurdische Millionenstadt Diyarbakir. Die Militärkontrollpunkte werden häufiger, die Kontrolleure sind bis an die Zähne bewaffnet, und Panzerwagen sind aufgefahren. Wir kommen aber mit unserer Taktik, unsere vogelkundlichen Absichten herauszukehren jedes Mal flott durch, auch wenn der eine oder andere Kommandeur noch das endgültige Wort sprechen muß. Wir verzichten auf provokanten Einsatz von Ferngläsern und Spektiven, GPS und Fotoausrüstungen sind verstaut. Nur einmal sind wir noch neugierig. Bei Silvan lockt uns ein Hinweisschild „Caves of Hassuni“ zu einer Felswand. Wir sehen Fahlsperling, Alpensegler, Rötelschwalben, 3 Klippenkleiber und den ersten Schmutzgeier. Dann sind wir auch schon wieder weg, denn selbst der hier tätige Bautrupp ist in Militärfahrzeugen unterwegs.
Beobachtungsplatz Has(s)uni-Höhle: 38,1342719N; 41,0885895E – 1019m.

Auf der letzten Tagesetappe beschränken wir uns darauf, aus dem fahrenden Auto zu beobachten, immer wieder kreuzen Rosenstare die Straße, den größten Trupp bilden 150 bei Bitlis. Die Straße dorthin führt durch eine romantische Schlucht, aber an einen Halt ist nicht zu denken, denn es wimmelt von schwerbewaffneten Soldaten auf Schützenpanzern, die Schnellfeuergewehre schussbereit nach oben auf die unwegsamen Hänge gerichtet. Welcher Feind wird dort wohl vermutet?

In Tatvan, wo wir das Hotel Üstün auserwählen, geht es friedlicher zu, obwohl die Bewohner sich offen kurdisch geben.

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