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Werner Steffen
Wohlerst 47 · D-21698 Wohlerst
Tel.: 04166/841516 E-Mail: steffen@naturbild.de

Kahramanmaras – Saglik-Ovasi – Durnalik – Bireçik (207 km)
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Freitag 23.Mai.2003

Auf dem nicht vorgesehenen Umweg nach Kahramanmaras hatten wir im Dämmerlicht östlich der Straße ausgedehnte Sumpfgebiete und Wasserflächen registriert. Diese von Entwässerungskanälen und dem Karasu Çayi durchzogene Ebene, auf unseren Karten Saglik-Ovasi genannt, ist heute unser erstes Ziel. In der Ortschaft Türkoglu zweigt eine Straße nach Osten ab. Nach Überquerung von Bahndamm und Flüßchen geht es auf Nebenwegen (nur nach Trockenheit befahrbar!) nach Süden. An den Kanälen sitzen Rallenreiher und Zwergdommeln, Cistensänger, Dunkelrohrsänger (die in Anatolien heimische Form des Teichrohrsängers) und Rohrschwirl sind zu hören, ein Schreiadler kontrolliert die Ackerflächen, auf denen sich viele Kurzzehenlerchen tummeln. Wir hören eine Wachtel und zwei Halsbandfrankoline. 2 Braune Sichler, 1 Austernfischer, 12 Stelzenläufer, 5 Weißflügel- und 11 Weißbartseeschwalben halten sich an Tümpeln und überschwemmten Feldern auf. Wir staunen über gut 250 Weißstörche und 15 Schwarzstörche, offenbar rastende Nichtbrüter.
Positionen Saglik-Ovasi:37,377241N; 36,8598773E – 501m; und 37,2189754N; 36,8224904E – 505m.

Exkurs:
Erstnachweis des Klippenkleibers für die Türkei 1973

Wir fahren auf der Straße 400 Richtung Gaziantep. Da sehe ich im Tal einen Rest der ehemaligen Straße mit einer auffallenden Höhle, an die ich gewisse Erinnerungen knüpfe. Hier hatte ich im März 1973 mit Jens Eggers und anderen Freunden auf dem Weg nach Birecik gehalten und Kleiber beobachtet. Einer baute an seiner Behausung im oberen Teil der Höhle. Ein Felsenkleiber kam hinzu, setzte sich auf einen Felsvorsprung über dem Nest des anderen und ließ seinen Reviergesang ertönen. Der Eigentümer des Nestes ließ ihn gewähren, ohne ihn zu attackieren. Das machte uns stutzig. Er schien auch kräftiger mit größerem Schnabel und kräftigerer Kopfzeichnung. Vorsichtshalber nahmen wir den Gesang mit dem Tonbandgerät auf und notierten alle Merkmale des Vogels. Wieder daheim in Hamburg durchforsteten wir die Literatur und stießen auf Sitta tephronata. Einen deutschen Namen gab es noch nicht.
Wir versuchten unsere Entdeckung zu veröffentlichen, die Veröffentlichung wurde abgelehnt, denn laut Prof. Kumerloeve, dem damaligen ornithologischen Papst in der Türkei, kam Sitta tephronata in der Türkei nicht vor. Erst der Vergleich des Sonogramms unserer Tonbandaufnahme mit dem eines S. tephronata aus dem Iran rehabilitierte uns.


Mit Gosneys Hilfe finden wir an der Straße 400 die Zufahrt nach Durnalik (bei einer Fabrik). In einer Obstplantage mit Gebüsch herrscht reges Treiben. Hermann entdeckt den ersten Weißkehlsänger. Ein Hang mit dürftigem Gesträuch beschert uns den Dornspötter. Am Dorfeingang finden wir den Weg (eher eine Wasserstraße) zu der von Gosney empfohlenen Tränke. Wir können den Weißkehlsängern und anderen Besuchern beim Baden zuschauen, während im benachbarten Obstgarten Familie Balkanmeise herumturnt. Zurück auf der Dorfstraße finden wir prompt eine Türkenammer und zwei Grauortolane am Wegrand. Wir folgen der „Straße“ bis in felsiges Gelände. Hier gab es vor Jahren Rostbürzel-Steinschmätzer. Wir vermuten, das ist vorbei, und wollen im benachbarten Isikli weitersuchen.
Beobachtungsplätze in Durnalik: 37,172681N; 37,191884 E – 998m u. 37,1631018N; 37,1870801E – 1044m

Isikli wirkt nicht gerade einladend. Wir irren in der Umgebung herum, bis wir endlich 2km östlich des Orts ein Plätzchen finden, das uns zusagt: Ein kleiner Acker mit Steinlesehaufen, ein Geröllhang und darüber zerklüftete Felsgebilde. Hier könnte sich der gesuchte Steinschmätzer doch wohlfühlen! Zunächst sind hier aber Steinsperlinge, Rotkopfwürger und Klippenkleiber. Dann gibt’s schon wieder für alle einen „Neuen“: den Fahlsperling. Die Männchen verraten sich durch den sirrenden, an ein Insekt erinnernden Gesang, und wir entdecken nach und nach fünf der tatsächlich recht fahlen Spatzen auf kümmerlichen Sträuchern in der Geröllhalde. Ein Aufstieg zu den Felskuppen bringt uns Blaumerle und erneut Grauortolane und Türkenammern ein. Wir hören verdächtige abfallende Pfiffe, reden uns ein, sie könnten vom „Rostbürzel“ stammen, finden aber den Verursacher der Laute nicht. Sind es Ziesel?
Geröllhang 2 km E Isikli: 37,1434298N; 37,2189502E – 1123m.

Das verwirrende Netz von Nebenstraßen Richtung Gaziantep meistert Jan mit seinem GPS-Gerät. Ganz können wir die Großstadt nicht vermeiden, nett dass wir hier Palmtauben sehen. In Birecik sagt uns das schmuddelige Hotel im Zentrum nicht zu. Da quartieren wir uns doch lieber im Motel ein, auch wenn es an der Hauptstraße liegt. Der erste Weg führt uns natürlich in das berühmte „Eulen-Café. Gleich, als wir „dörttane çay“ ordern, werden wir informiert. „Baykus” sitze immer auf dem Baum über einem der Tische (Baykus ist eigentlich der Uhu; es ist aber klar, dass das Objekt unserer Begierde, die Streifenohreule gemeint ist). Sie ist aber unerklärlicherweise nicht aufzufinden, und wir werden auf die Dämmerung vertröstet. “Saat sekiz buçuk“, um halb neun, hätten wir gute Chancen.

Wir genehmigen uns ein feudales Esssen im Fischrestaurant und sind vor Dämmerungsbeginn zurück. Nach mehreren Runden Çay werden wir unruhig. Die jungen Waldohreulen fiepen schon über uns in den Baumkronen, aber der Stamm-Baum der gesuchten Eule, von unangenehmem Neonlicht beleuchtet, bleibt vogelfrei. Wir streunen einzeln im den dunkleren Teil des Parks herum. Der Lärm des auf vollste Lautstärke aufgedrehten Fernsehers verfolgt uns bis in den letzten Winkel. Hier und da huscht irgendeine Eule durchs Geäst, unmöglich sie zu bestimmen. In der dunkelsten Ecke des Cafégartens höre ich einen seltsamen Warnruf, eine hohe, unrhythmische Rufreihe. War das die gesuchte Eule, deren Erregungsruf „Der Svensson“ mit „hoch quiekend ‚tzir tir tir ir‘“ beschreibt? Als die anderen endlich da sind, herrscht natürlich wieder das Schweigen im Walde, und wir vertagen die Suche auf den nächsten Abend.
Position des Eulen –Cafés: 37,2437328N; 37,8741485E – 434m

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