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Werner Steffen
Wohlerst 47 · D-21698 Wohlerst
Tel.: 04166/841516 E-Mail: steffen@naturbild.de

Tasucu – Akgöl – Usuncaburc - Tarsus – Kahramanmaras (434km)
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Donnerstag, 22.Mai.2003

In aller Frühe verlassen wir die Pension Holmi, in der noch alles schläft. Gut, dass wir schon gestern bezahlt haben. Wir wollen noch den Morgengesang der Frankoline mitbekommen und schlagen uns von der Ferienhaussiedlung zum neuen Beobachtungsturm durch. Drei Rufer sind noch aktiv, aber nur einer reckt kurz den schwarzen Hals aus dem schützenden Gestrüpp. Die Vögel haben hier wohl viele Gründe, sich so versteckt zu halten. Wir finden einen Hügel von dem aus wir über den Schilfrand auf den Akgöl sehen.

Im Morgenlicht spazieren mindestens zehn Purpurhühner auf den Schlammflächen herum. 2 Silberreiher, 2 Braune Sichler, 6 Löffler, ein Spießerpel, 3 Spornkiebitzpaare und, mitten auf dem Schlamm thront ein Fischadler. Rohrschwirl und Wasserralle melden sich und in der Dünenvegetation turnen Heckensänger, ein Rosenstar fliegt vorbei. Ein schöner Tagesbeginn, hier beim neuen Beobachtungsturm am Akgöl.
Position: 36,2990401N: 33,9288836E – 4m).

In Silifke zweigen wir auf die Nebenstraße 33-56 ab. Sie windet sich hinauf in die Vorberge des Taurus. Bei Demircili lädt uns eine Friedhofsmauer zum Kaffeekochen und Frühstücken ein. Die Gebüsche und Einzelbäume um uns herum scheinen der ideale Lebensraum für Maskenwürger zu sein. Wir zählen sechs und lassen uns die Sesamkringel aus Silifke schmecken.
(Position: 36,4309341N; 33,9510335E – 371m)

21 Kilometer oberhalb von Silifke erreichen wir einen Kiefernwald, klar, den müssen wir in Augenschein nehmen, zumal auf der anderen Straßenseite ein malerischer Hang mit Felsblöcken, blühenden Büschen, und einzeln stehenden uralten (Aleppo-?)Kiefern ebenfalls interessante Beobachtungen verspricht. Und tatsächlich, wir haben ein wahres Vogelparadies entdeckt: Turteltaube, Wiedehopfe, Blutspechte, auf dem Draht neben der Straße eine Blaumerle mit Futter und ein unermüdlich singender Grauortolan. Grasmücken halten sich gut versteckt. Wir können sie nicht nach dem Gesang bestimmen und müssen warten, bis sie sich mal zeigen, die Maskengrasmücken, für Dreiviertel der Belegschaft eine neue Art! Endlich finden wir Zeit, den kräftigen rohrsängerartigen Gesängen im Kiefernwald nachzugehen. Dort haben gleich mehrere Olivenspötter ihre Reviere! Zwei Türkenkleiber durchstreifen die Baumkronen.

Da werden wir Zeugen einer Katastrophe: Ein Kipplaster hält am Straßenrand, fährt rückwärts an die Böschung heran und entlädt tonnenweise Müll in den Bachlauf neben der Straße. So ein wunderschönes Fleckchen Natur als wilde Mülldeponie : Verdammte Sauerei!

Beim nächsten Kilometerstein (22) halten wir schon wieder. Ein Hang mit lockerem Laubwald, der könnte doch Trauermeisen gefallen! Wir sind nicht böse, als wir stattdessen Orpheusgrasmücken entdecken.
Position des Beobachtungsplatzes „ km21“ 36,5238997N; 33,9607037E – 828m,

Ungefähr auf dem Scheitel der Vorberge erreicht man einen geschlossenen, teilweise eingezäunten Kiefernwald, anscheinend ein Schutzgebiet. Hier hängen jede Menge Nistkästen, und darin wohnen jede Menge Türkenkleiber. Man kann ihre an Heidelerchen erinnernden Rufreihen nicht überhören.
Position des Türkenkleiberwaldes: 36,5494713N; 33,94100807E – 1008m.

Auf dem ausgeschilderten Weg nach Usuncaburc und den sehenswerten Ruinen der antiken Stadt Olba durchqueren wir eine offene, mit Felsen durchsetzte „Parklandschaft“. Immer wieder müssen wir halten, mal wegen der Felsen- oder Balkansteinschmätzer, mal wegen eines Schlangenadlers oder einzelner Blauracken und Rötelschwalben. Highlights sind ein überfliegender Gänsegeier und die Balkanmeisen. „Hier könnten wirklich Trauermeisen sein!“ hatte ich beim Anblick eines Geländes mit einzelnen (Stein?)- Eichen verkündet und war stolz, dass die Voraussage stimmte.
Position: 36,5935097N; 34,0016534E – 1029m

Über Nebenstraßen, gerade noch befahrbar, suchen wir einen Weg hinunter zur Küste. Bei Cambazli passieren wir die Ruine einer Basilika („eine der besterhaltenen Kleinasiens“, lese ich später).
Westlich Erdemli erreichen wir die Küste. Kaum ein Vogel zu sehen, doch wir bringen die Spektive in Position. Weit draußen auf dem Meer, mit Mühe zu erkennen, surfen 3 Gelbschnabel-Sturmtaucher und 2 Levantesturmtaucher.

Unser Treiben erregt die Aufmerksamkeit einer Polizeipatrouille. Es gelingt uns nachzuweisen, dass wir nicht Kriegsschiffe fotografieren, sondern „kuslar”(Vögel) beobachten wollen. Auf der autofreien dreispurigen Autobahn geht es zügig gen Osten, vorbei an Adana und Osmaniye. In Nurdagi – das wäre ein günstiger Ausgangsort für die Anfahrt nach Durnalik gewesen – gibt‘s kein Hotel, auch nicht im 25 km entfernten Türkoglu. So driften wir von der vorgesehenen Route ab bis zur Provinz-Hauptstadt Kahramanmaras, wo wir für 70 Mio TL nobel im Otel Arikan die ersehnte Unterkunft finden.

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