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Werner Steffen
Wohlerst 47 · D-21698 Wohlerst
Tel.: 04166/841516 E-Mail: steffen@naturbild.de

Tasucu – Göksu-Delta (Kurtulus; Akgöl) - Tasucu (117 km)
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Mittwoch 21.Mai.2003

Wir verbringen den ganzen Tag im Delta. Bis auf den südlichsten Teil mit den Lagunen bei Kurtulus, den Akgöl und den Küstenstreifen ist alles intensiv landwirtschaftlich genutzt. Am östlichen Ortsende von Tasucu führt eine Straße nach Süden zur Ferienhaussiedlung. Auf der Höhe der großen Fabrik sitzt gern der Braunliest. Marmelenten, Streifenprinie, Marisken- und Cistensänger, Spornkiebitze, Bartmeisen und einen singenden Sumpfrohrsänger finden wir in der von Kanälen durchzogenen Region und dem Schilfrand im Nordwesten des Akgöl. Wir fahren auf Wirtschaftswegen quer durch das Ackerland bis Kurtulus. Unterwegs begegnet uns ein Schreiadler, Maskenwürger und mehrere Heckensänger. Im Dorf gibt es einige Störche mit Weidensperlingen als Untermieter. Auf dem Weg zur riesigen Paradeniz-Lagune können wir einem Schlangenadler bei der Jagd zuschaun.

Die Lagunen enttäuschen uns (trotz Schwarzstorch und Zwergseeschwalben). Den Weg zur Göksu-Mündung versperrt ein Betriebsgelände. Wir riskieren es, uns auf Sandwegen zwischen Akgöl und der Küste nach Westen durchzukämpfen. Der Mut wird belohnt. Neben kleinen Limikolentrupps und brutverdächtigen Spornkiebitzen finden wir einen Sumpfläufer. Ein Nebenweg führt uns zu einem winzigen Häuschen mit einem kleinen Acker und einer Bootszufahrt zum See.

Da tönt eine schrill kratzende Stimme aus den Dünen. Kurzes Stirnrunzeln, ach ja! Der Halsbandfrankolin! Wir gehen vorsichtig näher. Die Rufe kommen aus einem undurchdringlichen Dornengestrüpp. Der Rufer bleibt unsichtbar. Hermann hätte ihn so gern gesehen! Während die anderen Dornen und Stacheln aus ihren Beinkleidern entfernen, suche ich einen Zugang zum See. Die obere Schlammschicht am Rand der Bootszufahrt ist angetrocknet und ich komme bis zu einem schwammigen Schilfhorst, von dem ich in eine Bucht schauen kann. Da läuft am Schilfrand ein Purpurhuhn. Schnell eile ich über die dünne Schlammkruste zurück. Sie hält gerade noch. Aber damit ist es vorbei, als die anderen drei sich das Purpurhuhn ansehen. Sie sinken tief in den stinkende Morast ein, und Werner holt sich dabei eine üble Schnittwunde. Ich fahre die verdreckte Mannschaft zum Säubern an den Strand. Werner, „Beinhart“, spült die Wunde gründlich mit dem beißenden Salzwasser.

Am Strand finden wir Spuren von Meeresschildkröten . Hier sind die Eiablageplätze der Falschen Karettschildkröte (Caretta caretta) und der Suppenschildkröte (Chelonia mydas). Das ganze Areal (Paradeniz-Lagune, Akgöl und Strand) ist als „Permanent Wildlife Reserve“ ausgewiesen. Uns kommen angesichts der mit ihren Herrchen herumstreunenden Hunde und allerorts herumliegenden Patronenhülsen erhebliche Zweifel an der Ernsthaftigkeit von Schutzmaßnahmen.

Im Ort finden wir eine ‚Ekzane‘(Drogerie), in der wir Desinfektionsmittel für Werners Wunde bekommen. Wir verarzten ihn, verordnen ihm Ruhe und sehen uns auf dem parkartigen Friedhof nach Bülbüls um, finden aber keine. Nach dem Essen raffen wir uns noch zu einer Rallenexkursion auf. Ohrenbetäubendes Froschkonzert macht uns das Horchen schwer, und so sehr sich einzelne Imitationskünstler auch bemühen, uns die hölzerne Strophe des Zwergsumpfhuhns vorzutäuschen – wir lassen uns nicht hereinlegen. Beim Heimfahren müssen wir mehrfach anhalten, weil Ziegenmelker im Scheinwerferlicht auf dem Weg sitzen.

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