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Werner Steffen
Wohlerst 47 · D-21698 Wohlerst
Tel.: 04166/841516 E-Mail: steffen@naturbild.de
Demirkazik - Arpa-Çukaru-Plateau - Schlucht bei Demirkazik– Kiefernwald Kamisli – Pozanti - Tasucu am Göksu-Delta (291km)
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Dienstag, 20.Mai.2003

Aufbruch um 3:50 Uhr. Ramazans Traktor ist mit einer 60x80cm-Bohle versehen, Werner, Jan und ich samt Ausrüstung finden darauf (wenig) Platz. Hermann muss die ganze Fahrt auf dem Trittbrett stehen. Über Steine und Felsen rumpelt der Traktor durch die Finsternis, mehrfach droht er sich vorn aufzubäumen. Nach einer guten Stunde erreichen wir das Beobachtungsplateau mit der von Gosney erwähnten Tränke.

Es dämmert; uns ist lausig kalt; wir sortieren die durchgeschüttelten Knochen. Jäh sind alle Unannehmlichkeiten vergessen, denn schon dringt unverkennbar der erste Ruf des Könighahns aus den steilen Wänden zu uns herab. Bald reicht das Licht für die Spektive, und wir finden zwei Hähne weit über uns auf Felsvorsprüngen am Rande von Schneefeldern. Alpenkrähen und –dohlen flattern um uns herum. Werner entdeckt in der Nähe eine Steinbraunelle, am Fuß einer Felswand eine Familie Rotflügelgimpel, Zippammer, Ringamsel, Ohrenlerchen, Schneefinken, Bergpieper... wir wissen gar nicht, was wir zuerst anschauen sollen! Jetzt rufen auch noch Chukarhühner, und auf den Zinnen der Felsburgen erscheinen die Silhouetten von Bezoarziegen. Die Kaspikönigshühner kommen jetzt weiter herab, hier und dort laufen sie zwischen den Felsbrocken herum oder gleiten im ersten Sonnenlicht hell aufleuchtend von hohen Felsklippen herab. Als die Sonne über die Berggipfel steigt, verlassen wir diesen einzigartigen Ort, wissend, dass die vergangenen zwei Stunden einer der unvergesslichen Höhepunkte in unserem Vogelguckerleben sein werden.
Position Arpa-Cukara-Plateau: 37,8502726N; 35,1232933E – 2250m

Den zweistündigen Abstieg verkürzen Felsensteinschmätzer, Heidelerchen und ein unermüdlich singender, zu Balzflügen aufsteigender Steinrötel. Ein Rotstirngirlitz fliegt zu schnell vorbei, um von allen registriert zu werden.

Zurück bei Ramazan erwartet uns eine schwere Prüfung. Er hat eine Art Tischdecke auf der Wiese ausgebreitet, auf der die vorangegangenen Bewirtungen unappetitliche Spuren hinterlassen haben. Es gibt Çay, Mehlfladen und Rührei. Bei so viel Gastfreundschaft können wir nicht kneifen. Türkisch Roulett: mal sehen, wen die türkische Krankheit erwischt. Über unserer Picknickrunde kreisen zwei Steinadler.

Wir suchen noch die von Gosney erwähnte Mauerläuferschlucht auf, freuen uns dort an fütternden Blaumerlen und Felsenkleibern und starten in Richtung Mittelmeerküste. 15km vor Pozanti führt die Straße bei Kamisli durch einen Kiefernwald. Den sehen wir uns näher an, und wie erhofft, finden wir gleich einen Türkenkleiber. Die Kaffeepause auf einer Waldlichtung bringt neue Arten für die Liste: Misteldrossel, Tannenmeise, Grauschnäpper und den Maskenwürger, der uns gar ein Ständchen singt.

Beobachtungsplatz Kiefernwald bei Kamisli/Findikli: 37,5216929N; 34,9413839E – 1249m.
Ich überrede die anderen, die Autobahn zu verlassen und die schon zu Paulus‘ Zeiten existierende alte Passstraße durch die Kilikische Pforte zu benutzen. Vor 30 Jahren hatte ich sie als sehr romantisch empfunden, wie sie sich durch die Felswände zwängte. Mauerläufer und eine große Anzahl Geier hatte ich damals von der Straße aus gesehen. Nichts davon ist übrig! Die schöne Schlucht vom Beton der überdimensionierten Autobahn überdacht. Hässlich auch die Fahrt zum Göksu-Delta, Bettenburgen für Einheimische säumen die Küste bei Mersin, zäher Verkehr bis Tasucu.

Wo die Hafenstraße in einer Sackgasse endet, finden wir die Pension Holmi, ruhig gelegen 25 Mio. TL/Dz mit Dusche. Vorzügliches und preiswertes Essen im Burcu Aile Restaurant . 4x Kebap, Salat, Pommes, Bier, Kaffee für zusammen 41 Mio TL (6€ p.P.). Wer in Tasucu bei angenehmen Abendtemperaturen in einem der netten Straßenrestaurants unter freiem Himmel speist oder bei einem Efes die Tagesbeobachtungen festhält, sollte auf eine Attacke gfaßt sein. Die allabendliche Unannehmlichkeit droht weniger von den Mücken, deren Stunde jetzt gekommen ist. Der Übeltäter ist ein Tankwagen. Du denkst, das sei ein Einsatz gegen den Straßenstaub. Doch was er verschwenderisch versprüht, ist nicht Wasser, sondern Insektengift. Gäste, Kellner, Passanten, alle stimmen unisono in einen minutenlangen Hustenchor ein, sobald er vorübergefahren ist. Die Mücken hat es anscheinend weniger tangiert. Mein Zimmergenosse Hermann verbringt die Nacht weitgehend mit „Gelsen“jagd. Einmal Jäger – immer Jäger!

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