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Werner Steffen
Wohlerst 47 · D-21698 Wohlerst
Tel.: 04166/841516 E-Mail: steffen@naturbild.de

Aksaray– kl. Felsental – Mamasun-Baraji – Yaprahisar – Sivrihisar-Pass – Akkaya-Baraji – Elmali - Demirkazik (250 km)
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Montag, 19.Mai.2003

Ausnahmsweise frühstücken wir im Hotel, was zu ungewohnt spätem Aufbruch (8 Uhr) führt. Wir wollen gegen Abend das Ala-Dag-Gebirge erreichen, haben also genügend Zeit, unterwegs zu beobachten und uns das Ihlara-Tal in Kappadokien anzuschauen. Ein paar Kilometer westlich von Aksaray kommt uns ein Pulk von 46 Wespenbussarden entgegen, Zugrichtung NW. Die Nebenstraße zweigt 12 km NE Aksaray nach Süden ab und führt hinunter zum Mamasun-Stausee. Wir halten in einem felsigen Tal mit malerischem Blick auf den schneebedeckten Hasan Dag (3268m), einen der mächtigen Vulkane, die die kappadokische Landschaft geschaffen haben. Ein Schreiadler überquert das Tal, wir finden ein Pärchen Ohrenlerchen, sie gehören der Unterart penicillata an. Das Schwarz der Gesichtsmaske ist mit dem der Kehle verbunden. Weitere Bewohner der Hänge sind Balkansteinschmätzer, und oberhalb, über einem Ackerfleckchen, singen Kurzzehenlerchen.

Der Stausee (türk.: Baraji) wird vom Melendiz-Fluss gespeist und ist vogelarm, wie fast alle Stauseen. Aber über ihm ragt eine mächtige Felswand auf, und die hat es in sich! Auf den höchsten Klippen thront ein Felsensteinschmätzer und ein Klippenkleiber trägt Futter. Felsenschwalben, Steinsperlinge und Felsenkleiber siedeln weiter unten.
Position Felswände: 38,4059902N; 34,11324845E – 1110m

Unterhalb der Staumauer, wo das Flüsschen seinen Lauf fortsetzen darf, findet sich ein Auwald, eingerahmt durch mühsam aufgeforsteten Kiefernwald. Wald ist so selten in Anatolien, dass jedes Fleckchen zum „Milli Park“ (National- bzw. Volkspark) erklärt wird. Diese Parks sind beliebte Ausflugsziele, meist mit vielen Picknickbänken ausgestattet. Hier können wir bequem unseren Kaffee kochen und dabei vertraute Vogelarten wie Pirol, Nachtigall, Amsel, Blau- und Beutelmeise beobachten. In dem spärlichen Kiefernwald sieht Hermann einen verdächtig kleinen Kleiber. Der eilt durch die Baumwipfel, meldet sich kurz mit einem verräterischen ‚räätsch‘, und schon ist er verschwunden. Alles Nachsuchen ist vergebens. Jan und Werner haben den Türkenkleiber gar nicht gesehen.

Gemeinsam mit vielen einheimischen Ausflüglern fahren wir durch das Ihlara-Tal. Hier sind durch Erosion die weltberühmten bizarren Tuffsteinkegel entstanden. Manche wurden von Menschen ausgehöhlt und waren einst bewohnt. Hier in Kappadokien entstanden gar mehrstöckige unteridische Fluchtburgen, in denen die von den Römern verfolgten Christen Zuflucht fanden, die Höhlenkirchen kann man noch heute bewundern, allerdings nicht unbedingt an einem 19.Mai. Wegen des Besucherandrangs schauen wir uns die steinernen Zelte von außen an und fotografieren fleißig. Alpensegler, Steinsperling, Felsenschwalben und Blaumerle gibt es in Yaprakhisar als Zugabe.

Zwischen Güzelyurt und Çiftlik überqueren wir den Sivrihisar-Pass. Ohrenlerche und Ortolane sind hier oben häufig, und kurz zeigt sich auch eine Bergkalanderlerche.

Wir leisten uns noch einen Abstecher über Nigde hinaus zum Akkaya-Stausee (37,9233379N; 34,6058323E). Ich hatte von Häherkuckuck- und Krauskopfpelikan-Beobachtungen im Mai gelesen. Von den beiden ist nichts zu sehen, und wir sind nicht sicher, ob die beiden Spornkiebitze, die 3 Weißbart-Seeschwalben und ein wenig Wassergeflügel den Umweg wert waren. Also auf der Hauptstraße zurück nach Norden und auf der Nebenstraße über Elmali wieder nach Süden. Aus dem Auto sehen wir 3 Rosenstare, Steinkäuze und ein Schwarzkehlchen.

In Demirkazik, dem Ausgangspunkt für die Bergtour zum Kaspischen Königshuhn, wollen wir als erstes den Weg erkunden, der uns in aller Frühe im Dunkeln hinaufführen sollte. Hier erwischt es uns eiskalt. Ein Mann mittleren Alters stellt sich als Ramazan vor. Er könne uns zum ‚Snowcock‘ führen. Wir sollen in seiner netten Pension übernachten, und um 4 Uhr würde er uns mit seinem Traktor hinauf bringen, alles zusammen für 80 Millionen (47€). Wohl oder übel folgen wir ihm zu seiner bescheidenen Behausung, an der Zufahrt ein Betonpfeiler mit ungelenk gemalten roten Buchstaben: „Pension“. Auf dem winzigen Hof steht ein kleiner, uralter Massey-Ferguson Traktor. In einem kleinen Raum, aus dem Frau und Kinder ausquartiert werden, entsteht im Handumdrehen ein Matratzenlager. Sanitäre Einrichtungen : Fehlanzeige !

Essen: Ramazan preist das Fischrestaurant Dokuzgiz weiter unten im Tal an und fährt selbst mit. Wir genießen für 50 Millionen TL Alabalik, vemutlich Forellen, und genehmigen uns zwei,drei Bierchen: Wer weiß, wie die Nacht und der Morgen werden?!

Übernachtung: Genügsame, die bei Ramazan übernachten, tun sicher ein gutes Werk. Eine Alternative, die Luxusherberge Pansyon Safak , findet man in dem nahegelegenen Dorf Çukurbag. Siehe http://www.cenktarhan.com/safak/. Auch die Brüder Safak bringen Ornis im Morgengrauen zu den Königshühnern.

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