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Werner Steffen
Wohlerst 47 · D-21698 Wohlerst
Tel.: 04166/841516 E-Mail: steffen@naturbild.de

Kulu – Cihanbeyli – Salzsteppe - Eskil – Esmekaya-Baraji – Sultanhani – Steppe bei Yenikent - Aksaray (268 km)
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Sonntag, 18.Mai.2003

Im Morgengrauen starten wir an den Kulu-See, der Hotelschlüssel steckt verabredungsgemäß innen auf dem Türschloß, der Wirt schläft noch.

Am See finden wir kleine Lerchen, die singend in geringer Höhe unregelmäßige Runden drehen, mit ab und zu verzögertem Flügelschlag. Wenn sie landen, sind sie zwischen den Ackerschollen nur schwer zu finden. Doch ein Pärchen balzt am Boden und lässt sich genauer ansehen. Unser Verdacht bestätigt sich: Salzlerchen (Chalandrella cheleensis)! Die kürzlich von der Stummellerche abgespaltene Art unterscheidet sich durch nur undeutliche Strichelung auf der Brust, wirkt unterseits weißer und oberseits fahler, grauer. Die Population ist auf Zentralanatolien beschränkt und räumlich getrennt von den Brutgebieten der Stummellerchen, die wir weiter im Osten beobachteten.

Die Flamingos sind noch da, leuchten in der Morgensonne, Werner macht schöne Fotos von einigen fischenden Grüppchen. Wir finden eine Andeutung von einem Weg und wagen den Versuch, den See mit dem Auto zu umrunden. Eine kleine Bucht im Südostzipfel mit ein wenig Schilf ist gut für verschiedene Enten, darunter Weißkopf-Ruderenten. Im Brach- und Ackerland östlich des Sees (wir fahren Umwege, weil der Uferweg nicht passierbar ist) tummeln sich neben Salz- auch Kurzzehen- und Kalanderlerchen. Am Nordufer kommen wir nahe an den See heran. Fitisse im Brachland mit niedrigem Gestrüpp geben uns Rätsel auf: es sind offenbar späte Durchzügler. Wir vermissen Gelb- und Grüntöne und vermuten, dass wir es mit der Unterart yakutensis zu tun haben, in deren sibirischer Heimat wohl noch Schnee liegt. Späte Durchzügler auch auf einer Sandbank: u.a. 2-300 Zwergstrandläufer, 4 Sichelstrandläufer, je1 Steinwälzer und Teichwasserläufer sowie 10 Odinshühnchen. Mittendrin ein Wüstenregenpfeifer. Nicht weit entfernt eine Insel, weiß von Vögeln. Hier brüten die Lachseeschwalben, Schwarzkopf- und Dünnschnabelmöwen. Ungewohnt der Anblick äsender Flamingos auf den Weiden neben Rinderherden. Überall, wo es flach und sandig ist, treffen wir auf Isabellsteinschmätzer. Unser Doblo wird ersten harten Prüfungen bezüglich seiner Geländetauglichkeit unterzogen, bis wir ein Dorf im Nordwesten des Sees und von dort auf befestigten Wegen Kulu erreichen.

Der Kulu-See , türkisch Düden Gölü, ist ein flacher salziger Steppensee. Ein Besuch lohnt zu jeder Jahreszeit. Bedeutender Überwinterungsplatz der Weißkopf-Ruderenten, Brutgebiet von Wüstenregenpfeifer,Rotflügel-Brachschwalbe und Salzlerche. Größere Kolonien von Schwarzkopf-, Dünnschnabelmöwe und Lachseeschwalben. Ideales Rastgebiet für Limikolen, Enten und Nordische Gänse.

Zufahrt zum Südostende des Sees: In Kulu von der Fernstraße 715 nach Osten abbiegen, ab dem Ortsrand staubige Piste, die bei Regenwetter zur Falle wird ( schlüpfrig: unpassierbar). Zufahrt zum Norwestufer: Nördlich von Kulu von der Straße 715 auf Nebenstraße nach Osten fahren, bis die Straße in einem Dorf endet. Vom Nordende des Dorfes führen schlechte Fahrwege ans Seeufer. Beobachtungsplatz Kulu-See Nord: 39,1162652N; 33,1319111E – 937m

Kleine Jausenpause auf dem Marktplatz . „Dörttane kahve!“ (4x Kaffee!) Prima, die Bestellung klappt! Eine Schulklasse nebst Lehrern und Bürgermeister schart sich um die Statue des Geburtstagskinds und versucht sich vergebens in feierlichen Gesängen. Morgen wäre Kemal Atatürk 122.

Bald fahren wir südwärts bis Cihanbeyli . Auf einer Nebenstraße versuchen wir, den riesigen Salzsee Tuz Gölü zu erreichen, aber eine Fabrik versperrt den Weg zum See, in dem Tausende Flamingos brüten. Doch der Weg durch die Salzsteppe lohnt sich. In den austrocknenden Laken stehen kleine Gruppen Flamingos und 150 Weißstörche (Was machen die jetzt noch hier?). Neben rastenden Zwergstrandläufern und Seeregenpfeifern trippelt ein brutverdächtiger Wüstenregenpfeifer im Prachtkleid. Auch Salzlerchen und jagende Rotflügel-Brachschwalben sind hier zu Hause. Häufig sind Wiesenweihen (5 Ind.). Weitere Beobachtungen: Schreiadler, Rotkopf- und Schwarzstirnwürger.

Beobachtungsplatz Salzsteppe NE Cihanbeyli: 38,7091352N; 33,1001313E – 928m

Bei Gölyazi erreichen wir wieder landwirtschaftlich genutztes Gebiet, aber immer noch kein Baum und kein Strauch! Die Kappenammern nehmen mit Diestelstauden vorlieb. Irgendwo in dieser unendlichen Weite hält sich eine kleine Großtrappenpopulation und ein bedrohter Restbestand von Zwergtrappen.

18 km südlich Eskil das erste Süßwasser: Im diesem Sumpfgebiet bei Esmekaya entdecken wir Schwarzhalstaucher, Seiden- und Purpurreiher, 2 Schwarzstörche, 12 Sichler, 40 Flamingos, Rost- und Brandgänse, 4 Spornkiebitze, 2 Sichelstrandläufer, Uferschnepfe, Weißflügel- und Weißbart-Seeschwalben. Auf den angrenzenden Weideflächen füttern die Isabellsteinschmätzer schon flügge Jungvögel, Wiesenweihe und Blauracken erjagen Beute, und eine Zieselfamilie beschäftigt Werner, den Fotografen. Leider ist hier ein Staudamm gebaut worden, der diesen Lebensraum wohl vernichten wird.

Unsere Weiterfahrt wird schnell unterbrochen. Am Ortseingang von Esmekaya ertönt ein aufgeregtes dreistimmiges „Halt!“. Aber ich selbst habe auch die verdächtigen Vögel im Gebüsch am Straßenrand gesehen und auf die Bremse getreten: Rosenstare! Ca. 50 bevölkern den verwilderten Obstgarten. Während wir die schönen Vögel begeistert anschauen, melden sich – in diesem Habitat unerwartet - Beutelmeisen und über uns rütteln Rötelfalken. Als wir ihnen zuschauen, entdecken wir eine Kette großer Vögel in Zugformation am Himmel, es sind 60 Rosapelikane, die den Esmekaya-Sumpf ansteuern.

Beobachtungsplatz Esmekaya-Sumpf:38,3010931N; 33,4309252E – 985m
In Sultanhani schauen wir uns eine schön restaurierte Karawanserei aus dem 13. Jh. an. Ein netter Mann bietet uns Kost & Logis in seiner Pension an. Ein Fehler, das Angebot nicht anzunehmen, aber es ist erst später Nachmittag, und wir wollen noch das restliche Tageslicht nutzen. Dazu ist bald Gelegenheit, als wir unterwegs eine ausgedehnte Brache entdecken, auf der es von Zieseln nur so wimmelt. Wo Beute ist, müssen auch Jäger sein! Und tatsächlich, einer ist schon auf dem Ansitz: ein Kaiseradler. Wir sind noch mit einem versteckten Triel beschäftigt, als ein weiterer Adler erscheint, ein Schelladler, wohl auch kein Zieselverächter. Position: 38,2720613N; 33,6771584E – 961m Dieser Steppenrest grenzt ca. 30km östlich von Sultanhani an die Straße 300 (Konya-Aksaray) Er liegt nördlich der Sraße, wenig westlich der Abzweigung zur Ortschaft Yenikent. Man sieht in der Ferne einen langen Zaun, den Greife als Sitzwarte nutzen.

Ankunft in Aksaray schon im Dunkeln. Nervige Hotelsuche, alles ist ausgebucht. Anscheinend ist es Tradition, am Nationalfeiertag mit der Familie historische Stätten zu besuchen. Von Aksaray aus sind die berühmten kappadokischen Höhlensiedlungen aus der Römerzeit gut per Reisebus zu erreichen. Also hat sich Alt und Jung hier einquartiert, um morgen die Besichtigungstour zu starten. Nach langem Umherirren und Herumfragen finden wir doch noch ein verstecktes Hotel mit 4 freien Betten.

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