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Werner Steffen
Wohlerst 47 · D-21698 Wohlerst
Tel.: 04166/841516 E-Mail: steffen@naturbild.de

Wadi Lahami – Wüstenpiste – Edfu – Assuan
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Autor: Uwe P. Streese-Browa

Mittwoch, 21.3.2007

Im Camp gibt es ab 6 Uhr Frühstück, denn der erste Tauchgang startet bei Sonnenaufgang. Wir sind noch früher unterwegs zu den Mangroven, bequem zu Fuß vom Hotelgelände aus zu erreichen. In den Baumkronen brüten Fischadler und Küstenreiher (8+). Heute sichten wir nur einen Goliathreiher.

Werner kann einen Pupurreiher fotografieren und eine Handvoll See- und Wüstenregenpfeifer. Kiebitzregenpfeifer, Grünsschenkel, ein paar Rotschenkel und Brachvögel – auch hier ist die Ausbeute an Limikolen eher dürftig. Wir notieren noch Graufischer, Eisvogel, Wachtel, Teichrohrsänger und einige Türkentauben, frühstücken und erreichen nach kurzer Fahrt das Dorf Hamata.

Im Hafen haben sich 1 Dünnschnabel-, 6 Weißaugen- und 17 Hemprichmöwen am Spülsaum versammelt, offenbar um fotografiert zu werden. Die Hamata-Mangroven bieten außer einem Löffler nichts Neues. Gegen 10 Uhr erreichen wir auf der Küstenstraße Abu Ghusun. Hier zweigt eine Asphaltpiste ab, die zu einem Bergwerk führt. Über Google Earth haben wir herausgefunden, dass diese Straße zu einer Piste durch die Wüste führt. Über diese Piste könnten wir zur Marsa Alam – Edfu - Schnellstraße kommen, also das obere Niltal erreichen, ohne dass wir am Checkpoint Marsa Alam gestoppt und den Riesenumweg über Safaga und Luxor (noch dazu im lästigen Konvoi!) machen müssen. Die Aussicht ist verlockend: Wir würden einen ganzen Tag einsparen, der nur aus sturer Fahrerei bestünde.

Wenigstens anschauen können wir uns die Sache doch! Schon nach ein paar Metern wird unser Versuch reichlich belohnt. Da sitzt doch auf einem Busch neben der Piste ein ungewöhnlich aussehender Würger! Jan erkennt ihn sofort als Isabellwürger. Der ist für alle Vier eine neue Art. Er bleibt brav sitzen, trotz der geringen Entfernung und Werner schießt ein prima Foto! Die Straße –sie wird zusehends zur Piste, weil sich die Asphaltdecke auflöst – folgt einem ansehnlichen Wadi, das sich immer weiter zur Schlucht verengt. Ein Steppenadler über einem Bergkamm veranlasst uns zu halten und wir stehen direkt unter einer Greifvogel-Zugstraße. In gewaltigen Türmen schrauben sich Falkenbussarde in die Höhe um dann in einer Kette über dem Berggrat nach Nordosten zu verschwinden. Wir schätzen die Falkenbussarde auf 600 (binnen einer halben Stunde) und zählen einen Schwarzmilan und 5 Steppenadler.

Dann kommt der Augenblick der Entscheidung. Wir erreichen die Einfahrt zur Wüstenpiste. Die Fahrspur sieht passabel aus: Fester Untergrund, hier und da ein bisschen loser Sand und ordentliche „Waschbrettriffel“, aber das scheint durchaus machbar! 10, 20km kommen wir recht gut voran, dann wird es kritisch. Die Hauptspur zweigt zu einem Steinbruch ab, aber Jans GPS sagt, dass wir auf der schlechteren Spur weiter fahren müssen. In der Mitte und an den Rändern der Piste haben die LKW- und Pickup-Reifen mindestens 30cm hohe durchgehende Kieswälle aufgeworfen. Zu hoch für unseren Daewoo, dessen Bodenfreiheit ohnehin durch die hohe Zuladung beeinträchtigt ist.

Es bleibt also keine Wahl: Wollen wir durch, müssen sich die Reifen in halber Höhe des Mittelwalls und einem der Randwälle durch den Kies wühlen. Sterz will es versuchen. „ Ist ja so ähnlich wie Tiefschnee und Schneewehen im Waldviertel.“ Kilometer um Kilometer driftet er durch den Kies – von Wegmarke zu Wegmarke, die Jan auf sein GPS geladen hat. „Noch 800m bis P4, dann links nach SW.“ Die Piste wird nicht wirklich besser. Sollen wir umkehren?

Werner kriegt kalte Füße. Wir haben zu wenig Trinkwasser und keinen Handy-Empfang, können also keine Hilfe anfordern, wenn wir stecken blieben. Er hat recht, langsam wird es riskant. Sterz hat keine Lust, die ganze Strecke, die er mühsam geschafft hat, wieder zurückzufahren. Jan meint, viel schlechter kann es ja nicht werden, und Kim ergibt sich in ihr Schicksal.

Jan hat Unrecht. Es wird schlechter! Denn die Piste verliert sich auf einer sandigen Fläche in einem breiten Wadi.. Hier stehen, mutterseelenallein, mitten in der Wüste, ein paar Dromedare und Esel. Ein Brunnen, aber kein Wasser. Gibt es vielleicht auf der anderen Seite eine Zufahrt? Tatsächlich, da ist so etwas wie der Anfang einer Piste! Bis dorthin sind es nur 200 Meter, aber durch den losen Kies. Sterz versucht es. Er schafft 150 Meter, dann steckt das Auto fest. Also Schieben, rückwärts, und neuer Anlauf! Diesmal gelingt der Ritt durch den Wadi-Kies; der Daewoo steht auf festem Boden; alle können – ziemlich eingestaubt vom Anschieben – einsteigen. Bald fahren wir durch Sandwüste. Sterz kann richtig Gas geben, muss er auch, denn ab und zu haben sich kleine Dünen auf der Piste angesammelt.

Endlich erreichen wir die ersehnte Asphaltstraße, die von Sheikh Shazly nach Norden zur Verbindungsstraße Marsa Alam – Edfu führt. Geschafft!

Doch neues Ungemach droht. Der Zeiger der Tankanzeige ist der Reservemarke bedenklich nahe gerückt. Das lange Fahren im 1. und 2. Gang durch Sprit schluckenden Kies muss den Verbrauch enorm hochgetrieben haben. Vermutlich haben wir nur noch 10 bis 12 Liter im Tank. Wie soll das für 240km bis zur nächsten Tankstelle (in Edfu) reichen? Sterz behandelt das Gaspedal wie ein rohes Ei. Bloß nicht zügig beschleunigen! Bergab lässt er den Wagen im Leerlauf rollen. Wir schalten die Klimaanlage aus, um so vielleicht einen Liter zu sparen. Wir erreichen die Hauptstraße, da stehen ein paar Häuser. Vielleicht kann uns jemand ein paar Liter Sprit verkaufen.

Sterz fragt an einem ärmlichen Café, doch er wird unfreundlich zurückgewiesen. Auf der Schnellstraße nach Westen zeigt das erste Hinweisschild den Ernst der Lage an: „Idfu 185“. Und der Zeiger ist schon ganz unten am „E“ - Empty! Sterz fährt ohne Gas zu geben konstant 80 oder hängt sich eine Viertelstunde in den Windschatten eine dicken Lastwagens. Die Warnlampe der Treibstoffanzeige müsste längst aufleuchten. Ist sie defekt? Da entdecken wir ein Gebäude am Straßenrand, vor dem ein Pickup steht. Erneuter Versuch nach Treibstoff zu fragen. Die Leute sind freundlich, aber bedauern: Hier fährt jeder nur Diesel. Benzin kriegen wir nur, wenn wir die 110km nach Marsa Alam zurückfahren. Doch dort ist der Checkpoint, den wir mühsam umfahren haben und bis Edfu sind es auch „nur“ 120km.

Klar, wir fahren weiter nach Westen! Mit jeder Anzeigetafel „Idfu 100“ … „Idfu 80“ … kommt ein bisschen mehr Hoffnung auf. Denn wenn wir jetzt liegen bleiben, könnten wir nach Edfu trampen, einen Kanister Benzin holen. 30 km vor Edfu und noch immer keine Warnlampe. Sollten wir es doch schaffen? Endlich, 20km vor der rettenden Tankstelle leuchtet die Warnlampe auf. Allgemeine Erleichterung: Jetzt fahren wir also auf Reserve. Bald tauchen die ersten bewässerten Felder auf, Plantagen, von Schilf gesäumte Kanäle, Siedlungen. Wir können endlich wieder entspannt nach Vögeln schauen, aber selbst beim ersten Gleitaar trauen wir uns nicht zu halten. Die Tankstelle geht vor.

Am Checkpoint in Edfu werden wir erstaunt gemustert, aber niemand fragt, warum wir so allein, ohne Konvoi oder Polizeibegleitung daherkommen. Wir geben an, zum Horus Hotel fahren zu wollen und dürfen in Richtung Nilbrücke passieren. An der Tankstelle herrscht Verkehrchaos. Mit Mühe wühlen wir uns zur Tanksäule durch. 90-Oktan-Benzin? Nein, das gibt es nicht. Also müssen wir 80er nehmen. Endlich ein Zapfhahn in der Tanköffnung! Da gibt doch tatsächlich die Pumpe der Tanksäule den Geist auf! Aber irgendwann quält Sterz sich dann doch durch den chaotischen Verkehr der Innenstadt. Wir versuchen doch lieber noch nach Assuan zu kommen. Es dämmert schon, als wir einen Vorort erreichen und im letzten Licht nach Vögeln schauen. Jetzt können wir uns dem Gleitaar widmen, sehen Graubülbül und rätseln dann ein wenig an einem Falken auf einer Telefonleitung herum, der sich als Rotfußfalke erweist.

Nach Assuan fahren wir über die Wüstenautobahn auf der Westseite des Nils, das erspart uns den Konvoi. Am Checkpoint Assuan lässt man uns wie selbstverständlich passieren. Die Suche nach einem Hotel gestaltet sich schwierig. Die billigeren Quartiere in Corniche, dem Stadtteil am rechten Nilufer, sagen uns nicht recht zu, da entscheiden wir uns für das idyllisch am Nilufer gelegene Isis Hotel.

Ü: Assuan, Isis Hotel, 60 € DZ /ÜF. Schöner vogelreicher Park mit Gebüschen und Bäumen.

















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