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Shams Alam – Bir Shelatein Kamelmarkt – Abstecher Nebenstraße - Hemira Mangroven - Wadi Lahami: 380km +
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Autor: Uwe P. Streese-Browa
Dienstag, 20.3.2007

Mit dem ersten Licht sind wir im Vogelparadies Shams Alam. In den blühenden Gebüschen und Bäumchen wimmelt es von Kleinvögeln. Das erste Highlight sind 2 zutrauliche Kaspischwarzkehlchen. Sie lassen sich aus nächster Nähe betrachten und sind prima zu fotografieren. Weiter geht’s mit Masken- und Rotkopfwürger. Auf den Rasenflächen laufen Maskenstelzen, Brach-, Rotkehl- und Baumpieper herum, und außerhalb des Parks jagen Braunkehlchen, Nordischer, Isabell- und Balkansteinschmätzer nach Insekten. Vergebens suchen wir allerdings nach dem Rußheckensänger, der den Winter in den Hecken vor dem Hoteleingang verbracht hat: Die Hecken sind im Februar abgeholzt worden. Aber ein prächtiges Zitronenstelzen-Männchen spaziert auf dem Pflaster vor dem Restaurant herum, als sei es mit Werner zum Fototermin verabredet.

Ein deutscher Birder, der schon längere Zeit im Hotel weilt, erzählt, dass sich täglich um die Mittagszeit ein Weißbauchtölpel zur Siesta auf einer Boje vor dem Hotelstrand einfindet. Beim Aufbruch sieht Werner einen Olivenspötter.

Die weite Strecke nach Ber Shelatein wollen wir möglichst zügig zurücklegen, weil die Ohrengeier oft schon vor Mittag den Kamelmarkt verlassen. Natürlich können wir nicht an einem Lannerfalken, der nördlich von Baramis von Wüstenraben attackiert wird, vorbeifahren, und wir nehmen uns auch Zeit für 2 Sandlerchen einen Mittelmeerwürger und 6 Tropfenflughühner am Straßenrand südlich vom Checkpoint Baramis.

Kurz vor Ber Shelatein, 1 km nördlich des Checkpoints, entdeckt Sterz den ersten Ohrengeier, der über der mit kleinen Akazienbäumchen gespickten Wüste kreist. Er wird gebührend beäugt, und als Zugabe gibt es noch eine Wüstenläuferlerche.

Gleich nach dem Checkpoint halten wir, gespannt, ob Ohrengeier da sind. Und ob! Einige kreisen über der Ödfläche neben dem Kamelmarkt, aber noch besser: mindestens ein halbes Dutzend sitzt auf einem Eselkadaver.

Nichts wie hin! Die riesige Sandfläche ist gut befahrbar. Während Sterz den Daewoo behutsam in Richtung Kadaver lenkt, bringt Werner das NOVOFLEX in Position. Wir kommen mit der Sonne im Rücken bis auf 15m an die Tafelrunde heran, ohne dass auch nur einer Notiz von uns nimmt.

Das Interesse gilt allein dem Kampf um die begehrtesten Kadaverfilets. Wir verfolgen das Schauspiel begeistert aus unserem Logenplatz. So haben wir uns die Begegnung mit den Ohrengeiern nicht im Traum vorgestellt. Uns ist bewusst: Das erlebt man nur einmal! Mit ihren riesigen Schnäbeln reißen die Geier große Fleischfetzen aus dem Aas heraus. Es herrscht eine Hackordnung; mancher muss geduldig warten, am längsten der zwergenhaft wirkende Schmutzgeier, der mit wenig Erfolg auch etwas zu erhaschen versucht. Der Wüstenrabe ist pfiffiger und gewandter, mehrmals gelingt es ihm, irgendwie durch die Phalanx der gefiederten Kolosse zu schlüpfen und einen Happen zu erhaschen.

Schwerfällig starten die ersten Gesättigten, aber neue Hungrige landen und kämpfen sich an das Luder heran. Einer führt hopsend mit hochgestellten wippenden Flügeln, nach unten gerecktem Hals, so dass er den Kopf vor dem Bauch herträgt, einen grotesken Tanz auf. Werner hat bald eine Fotoreportage beisammen mit Gruppenbildern, Porträts, dem Einzeltänzer und den Zaungästen. Insgesamt treffen wir in Shelatein mindestens 22 Ohrengeier und 6 Schmutzgeier an.

Wir schauen uns noch das Treiben auf dem Kamelmarkt an, wo Hunderte an den Vorderbeinen gefesselte Dromedare in Gruppen lagern oder ihrem Schicksal ergeben herumstehen, umringt von weiß gekleideten dunkelhäutigen Turbanträgern aus dem Sudan. Beim Einkaufen drängt sich ein Marktpolizist in das ohnehin recht enge Auto. Er will uns zur Stadt begleiten. Wir hoffen, dass wir mit ihm als Begleitung vielleicht zum Hafen fahren und dort Vögel beobachten dürfen, was sonst ja nicht erlaubt ist. Aber kaum haben wir die Stadt erreicht, bedeutet er uns, dass hier Schluss sei, und wir müssen unverrichteter Dinge umkehren.

Wir sehen uns noch 4 Steinschwalben und einen Steppenadler an und biegen 30km nördlich der Stadt nach Westen ab (Koordinaten: 23°24’45”N; 35°30’26”E). Wir wollen herausfinden, wohin die schmale Asphaltstraße führt. Die durchquert zuerst eine beeindruckende Sandwüste, dann schlängelt sie sich durch ein enges Wadi, das von schroffen Felsen eingerahmt wird. Eine tolle Landschaft! Nach Vögeln müssen wir uns allerdings die Augen ausgucken. Wenn wir mal einen erspähen, zufällig, etwa auf dem Boden im Schatten einer der spärlichen Akazien, flieht er in den nahen Felshang und ist unauffindbar. So können wir nur ein paar Saharasteinschmätzer bestimmen sowie 4 Klappergrasmücken, 1 Fitis, 1 Balkanlaubsänger und 2 Steinlerchen, perfekt getarnt auf dem gleichfarbigen Gestein. Unsere Erkundungsfahrt wird von Einheimischen gestoppt. Sie erklären uns, dass die Straße mitten in der Wüste bei einem Wadi endet. Es bleibt unklar, ob wir hier überhaupt fahren dürfen und kehren um.

Wieder auf der Küstenstraße erreichen wir nach wenigen Kilometern Fahrt das Dorf Hemira. Noch bevor wir hinunter zu den Hemira Mangroven (40 km N Ber Shelatein; Koordinaten:23°28’33”N; 35°29’28”E) abbiegen, können wir uns eine Flugshow ansehen, an der ein Lannerfalke, ein Wüstenfalke und mobbende Wüstenfalken teilnehmen. Die Mangroven selbst halten, was wir uns von ihnen versprochen haben: 5 Reiherarten, darunter Purpur-, Mangroven- und der erhoffte Goliathreiher! Da können wir es verschmerzen, dass die Ausbeute an Limikolen mit Brachvogel, Rot- und Grünschenkel und ein paar Seeregenpfeifern eher dürftig ist.

In der Dämmerung erreichen wir die „Red Sea Diving Safari Ecolodge“ in Wadi Lahami. Mit zarter Rücksicht auf die Moskitos entscheiden wir uns für die Übernachtung in einem „Chalet“ (günstiger wäre ein „Beduinenzelt“). Sozusagen als „Betthupferl“ fliegen noch zwei Goliathreiher im letzten Tageslicht über unsere Chalets. Das Schreiben der Tagesliste kommt heute nur schleppend voran: Es sind allerhand neue Arten dabei, auf die wir mit einem Schlückchen Whiskey anstoßen müssen.

Ü: Red Sea Diving Safari Ecolodge, Wadi Lahami. 70 € pro DZ incl. HP. http://www.redsea-divingsafari.com/













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